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Schottland im Visier der Katalanen

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Schottland im Visier der Katalanen

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Katalonien blickt aufmerksam nach Schottland.
Am 11. September, dem katalanischen Nationalfeiertag, gab es in Barcelona eine Großdemonstration. Unterschiedlichen Angaben zufolge erschienen zwischen einer halben Million und 1,8 Millionen Menschen, um für eine Unabhängigkeit zu demonstrieren.

Die große Mehrheit der Demonstranten unterstützt die katalanische Regierung in ihrer Forderung, Anfang November ein entsprechendes Referendum abzuhalten, das in den Augen der Zentralregierung in Madrid illegal ist. Die will umgehend das Verfassungsgericht einschalten, um die geplante Volksbefragung zu stoppen.

Der katalanische Präsident Artur Mas will Antworten: “Meine Frage lautet: Ist Katalonien eine unterschiedliche Nation? Ja, es ist eine unterschiedliche Nation. Wenn also die Schotten das Recht haben, über ihre politische Zukunft zu entscheiden, warum nicht auch die Katalanen?”

Madrid lehnt jede Diskussion ab, London sitzt am Verhandlungstisch. Der britische Premierminister David Cameron will den Willen der Schotten akzeptieren.

Die Forderungen sind gleich, aber die Ausgangssituation ist anders: In Katalonien spielen Identität und Sprache eine große Rolle. Weniger in Schottland, trotz der markigen Rhetorik des Chefs der Unabhängigkeitsbewegung Alex Salmond. Es sei eine einmalige Gelegenheit für die Schotten, ihre Zukunft in die eigene Hand zu nehmen. Mehr und mehr Menschen seien sich der Gründe bewusst: Ja, weil sie die Kapazität hätten, Arbeitsplätze zu schaffen und somit ein blühendes Land aufzubauen. Ja, weil mit der Kontrolle des Haushalts der öffentliche Gesundheitssektor geschützt werden könne. Ja, weil alle Qualitäten der Schotten genutzt werden müssten, meint Salmond.

Auch das wirtschaftliche Gewicht ist anders. Die Mehrheit der Ölreserven der Nordsee sind in schottischen Gewässern, doch Schottland macht nur 10% des britischen Bruttosozialprodukts aus. Katalonien ist ein wirtschaftliches Schwergewicht und die reichste Region Spaniens. Es ist verantwortlich für 20% des spanischen BIPs und ein Viertel der Gesamtexporte.

Katalonien und Schottland sind beide autonome Regionen, sie haben Oberhoheit in Sachen Gesundheit, Bildungswesen und Sozialleistungen, doch die Ausgangssitution ist eine andere.