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Sanktionen: Autobauer in Russland im Rückwärtsgang

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Sanktionen: Autobauer in Russland im Rückwärtsgang

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Als Reaktion auf die Russland-Sanktionen fährt Opel seine Produktion in dem Land weiter zurück und baut massiv Personal ab.

Etwa ein Viertel der knapp 2.000 Beschäftigten im Werk St. Petersburg sollen das Unternehmen gegen Abfindungen verlassen, so die europäische General-Motors-Tochter. Die Fabrik werde auf einen Einschichtbetrieb heruntergefahren. Von August bis Oktober sollen die Bänder nur an 16 Tagen laufen.
Schon in der ersten Jahreshälfte hatte die Produktion an mehreren Tagen stillgestanden.

“Im vergangenen Jahr war Russland unser drittgrößter Markt nach Großbritannien und Deutschland – aktuell steckt dieser Markt in ernsten Turbulenzen”, sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. General Motors (GM) hatte die Russland-Aktivitäten erst kürzlich Opel zugeschlagen, um das defizitäre Europa-Geschäft zu stärken. Damals war man davon ausgegangen, dass Russland demnächst Deutschland als größten europäischen Pkw-Markt ablösen wird.

In den ersten acht Monaten des Jahres haben Russen zwölf Prozent weniger Autos gekauft als vor Jahresfrist. Im gleichen Zeitraum schrumpfte der Absatz der GM-Marken Opel, Chevrolet und Cadillac um 24 Prozent.

Auch Volkswagen hatte unlängst angekündigt, die Produktion in seinem Werk in Kaluga südwestlich von Moskau für zehn Tage ruhen zu lassen. Nach Medienberichten (“Automobilwoche”) sollen dort nur noch 120.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden. Ursprünglich sei der Bau von 150.000 Wagen geplant gewesen. Noch Ende 2013 hatte auch VW-Chef Martin Winterkorn Russland als strategischen
“Wachstumsmarkt Nummer eins in Europa” bezeichnet und 1,2 Milliarden Euro Investitionen bis Ende 2018 angekündigt.

Der Handelskrieg mit Russland hinterlässt auch Spuren in den Bilanzen von Adidas, Henkel und dem Arzneimittelhersteller Stada. Hightechfirmen haben Probleme bei der Ausfuhr von Gütern, Fraport sorgt sich um seinen Flughafen in St. Petersburg, der Logistikkonzern HHLA um seinen Schwarzmeer-Hafen Odessa. Die Liste der Unternehmen, die wegen der Verschärfung von Sanktionen und Gegensanktionen mit Geschäftseinbußen rechnen, wird von Woche zu Woche länger.

su mit dpa, Reuters