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Schottland, wenige Stunden vor dem Referendum: "Die Spannung ist auf dem Höhepunkt"

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Schottland, wenige Stunden vor dem Referendum: "Die Spannung ist auf dem Höhepunkt"

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Um 7 Uhr Ortszeit werden am Donnerstag in Schottland die Wahllokale geöffnet. Die Entscheidung über eine Unabhängigkeit des Landesteils des Vereinigten Königreichs ist historisch – wenige Stunden, bevor die Abstimmung beginnt, hat sich euronews-Redakteur Alasdair Sandford mit unserer Korrespondentin über die Lage im Land unterhalten:

Sandford: “Am letzten Kampagnentag, einen Tag vor dieser bedeutenden Wahl, sind wir mit Joanna Gill in Edinburgh verbunden. Joanna, wie ist die Stimmung in der Stadt?

Joanna Gill: “Weniger als 24 Stunden, bevor die Menschen ihre Stimme abgeben müssen, ist die Spannung auf dem Höhepunkt. Beide Lager geben noch einmal alles, um die letzten noch unentschiedenen Wähler zu motivieren und auf ihre Seite zu ziehen. Ich habe heute mit einigen Leuten gesprochen, die immer noch von keiner der beiden Seiten überzeugt zu sein scheinen. Beide Lager machen hier in der schottischen Hauptstadt also sehr, sehr kräftig Wahlkampf.”

Sandford: “Wie viele Menschen sind denn jetzt noch unentschieden?”

Gill: “Acht bis zehn Prozent der Wähler haben sich Experten zufolge noch nicht festgelegt, die sind das Zünglein an der Waage. Denn die letzten Umfragen besagen, dass die Anhänger des “Neins”, also der Union, mit 51 Prozent leicht in der Mehrheit sind gegenüber den “Ja”-Wählern. Es ist also ein knappes Rennen.

Die bisher noch unentschiedenen Wähler sind offenbar größtenteils weiblich. Bei Frauen ist die Risikobereitschaft in der Regel geringer ausgeprägt, das zeigen sozialwissenschaftliche Studien. Sie wollen bei der Frage, was die Währung im unabhängigen Schottland sein könnte kein Risiko eingehen oder scheuen die Unsicherheit bei der Zukunft des nationalen Gesundheitswesens. Sie könnten die Wahl also in Richtung “Nein” entscheiden, aber das ist Spekulation. Alle Experten, mit denen ich gesprochen habe, können wirklich nur raten, wie entschieden wird.”

Sandford: “Gibt es denn das Bewusstsein, dass dies eine einzigartige Wahl ist, die die Nation, Schottland und das Vereinigte Königreich für immer verändert?”

Gill: “Das ist zumindest die Rhetorik der zwei führenden Politiker. David Cameron hat ein sehr emotionales Plädoyer gehalten, in dem er mit Tränen in den Augen sagte, es würde im Falle eines “Ja” eine schreckliche, chaotische Scheidung geben. Auch der schottische Regierungschef Alex Salmond betonte, dass ein kein Zurück gebe, dass es eine einmalige Chance sei, entscheiden zu können, dass Schottland unabhängig werde. Und er ist schon lange in der Nationalpartei, die diese Wahl seit Langem vorbereitet hat. Das historische Bewusstsein ist also vorhanden, auch in den anderen Landesteilen und das wissen die Schotten. Deswegen sind viele meiner Einschätzung nach noch unentschieden, viele denken darüber nach, gar nicht zu wählen, weil die Verantwortung so groß ist.”