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Unabhängige Schotten: Kleines oder großes Karo?

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Unabhängige Schotten: Kleines oder großes Karo?

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“Natürlich könnte Schottland ein erfolgreiches unabhängiges Land sein” – sagt selbst der britische Premierminister David Cameron, in letzter Zeit ein überzeugter Verfechter des “Nein” zur Unabhängigkeit. Mal von dem Geholper einer Übergangsphase zur Selbständigkeit abgesehen, unterscheidet sich die schottische kaum von der britischen Wirtschaft.

Wachstum und Produktivität sind ähnlich hoch,
acht Prozent der britischen Bevölkerung – die Schotten – erwirtschaften 9,2 Prozent der Wirtschaftsleistung im – noch – gemeinsamen Großbritannien.

Ivan McKee Geschäftsmann und “JA”-Anhänger:

“Wir haben ein höheres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als der Rest Großbritanniens. Dies ist ein wohlhabendes Land. Das Problem ist nur, der Reichtum bleibt nicht hier, um in der Wirtschaft, um für die Menschen in Schottland Nutzen zu stiften. Die Unabhängigkeit gibt uns die Möglichkeit, die Kontrolle zu übernehmen. “

Die Ölbranche erwirtschaftet 13 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das macht Schottland andererseits sehr anfällig für Schwankungen des Ölpreises auf dem Weltmarkt. Außerdem sinkt die Ölproduktion seit 1999. Noch 30 Jahre, schätzen Experten, dann sind die Nordseequellen am Ende.

Vorerst sehen die Zahlen allerdings imposant aus: 96 Prozent der britischen Ölreserven liegen vor der Küste Schottlands.

David Phillips, Institute for Fiscal Studies
:
“Auf lange Sicht werden Schottlands Öleinnahmen absinken, bis die Zahlen nicht mehr der Rede wert sind. Die Bevölkerung altert schneller als im Rest Großbritanniens – wenn es Schottland also nicht schafft, dass seine Wirtschaft schneller wächst, um das wettzumachen, dürfte der Druck auf den Haushalt steigen – mehr als auf den der britischen Regierung. Das würde aber heißen: Höhere Steuern oder stärkere Ausgabenkürzungen auf lange Sicht, um den Haushalt auszugleichen.”

Eine autonome Regierung müsste wohl schon aus Imagegründen gleich eisern sparen, um die Finanzmärkte von ihrer Haushaltsdisziplin) zu überzeugen. Das schottische Budgetdefizit beträgt 8,3 Prozent, Tendenz steigend.

Die Steuereinnahmen allein, die angeblich in großen Wellen nach London abfließen, dürften als Scheidungsgrund jedenfalls nicht ausreichen: Acht Prozent der britischen Bevölkerung – wie gesagt, die Schotten – bringen 9,1 Prozent der Steuereinnahmen.

Bleiben noch 500 Millionen Liter Scotch pro Jahr und 15 Millionen Touristen auf der Habenseite. Und ein weiteres riesiges Strukturproblem:
Die Bilanzsumme der schottischen Banken ist zwölfmal so groß wie die schottische Wirtschaftsleistung. Ohne eine leistungsfähige Zentralbank im Rücken könnte jede mittlere Bankenpleite den Staat ruinieren.

Fünf schottische Banken haben bereits angekündigt, bei Unabhängigkeit ihre Zentralen nach London zu verlegen.

su mit Reuters