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Whisky, Wikinger und Polen- Auf der Suche nach der schottischen Identität

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Whisky, Wikinger und Polen- Auf der Suche nach der schottischen Identität

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Es ist eine wirklich schwere Entscheidung für Schottland, denn die Konsequenzen könnten sehr weitreichend sein.
Und wie schwer wiegt die Frage der nationalen Identität auf die Entscheidung der Schotten?

Denn das Land hat identitätsstiftende Traditionen im Überfluss und kultiviert diese auch gut und gern. Doch es gibt nicht nur eine einzige schottische Identität.

Was bedeutet es also heute, nach 307 fruchtbaren Jahren der Union mit Großbritannien, ein Schotte zu sein?

Ron Cowie, ein Gegner der Abspaltung, erklärt: “Die Schotten habe ihre eigene Identität und das war auch schon immer so. Wie die Alten sagen: Wir haben das Feuer im Bauch, wir bleiben also immer Schotten. Aber wir gehören zu Großbritannien und ich denke das sollte auch so bleiben.”

Das weltweit anerkannte und auch getrunkene schottische Symbol ist der Whisky, nach Energie das am meist exportierte Nationalgut. Neun Flaschen von zehn werden ins Ausland geliefert, der Sektor beschäftigt 35.000 Menschen. Welchen Einfluss hat eine mögliche Unabhängigkeit auf ihn?

“Der schottische Whisky hat Kriege und Revolutionen überlebt. Wir machen Whisky schon seit 500 Jahren”, kommentiert David Williamson von der Schottischen Whisky Vereinigung.

Seit zwei Jahrhunderten schon produziert der Familienbetrieb GlenDronach Distillery schon Whisky. Und hier schaut man auch weiter zuversichtlich in die Zukunft.

“Die Unabhängigkeit würde uns hier nicht beeinträchtigen. Das Referendum könnte sogar unsere Verkäufe noch steigern, denn es wird deswegen weltweit über Schottland gesprochen und somit Werbung für uns gemacht. Ich bin mir sicher, dass meine englischen Freunde nie Schotten boykottieren würden. Warum sollten sie auch?”

Die Shetlandinseln sind sicher sehr weit von London entfernt, aber auch Edinburgh liegt fern. Aus dem Meeresboden hier wird das so wichtige Öl gepumpt, aber der Archipel bietet auch riesige Fischgründe und erneuerbare Energien werden hier ebenso gefördert. Für die Nachfahren der Wikinger bleibt die Frage nach der schottischen Identität sehr schwammig. Außerdem trinkt man hier Bier.

“Hier auf den Shetlandinseln gibt es nicht viel, das traditionell schottisch ist. Es gibt keine Kilts oder so was. Wir scheinen nicht so viel mit schottischen Dingen am Hut zu haben”, erklärt Sonny Priest, der Besitzer der Valhalla-Brauerei.

Doch welchen Bezug hat man zur schottischen Identität, wenn man in Glasgow lebt und arbeitet und einen Migrationshintergrund hat? Laut einer Studie identifizieren sich 94% der Immigranten mit Schottland, das als fremdenfreundlicher als der Rest des Vereinigten Königreichs gilt.

Olga Mausch-Debowska eine polnischstämmige Schottin aus Glasgow berichtet: “Die EU ist mir sehr wichtig. Ich denke Schottland ist besser alleine dran, aber als ein Mitglied in der EU, statt ein Teil des Vereinigten Königreichs zu sein. Denn die Gefahr, dass Schottland sich als Teil Großbritanniens von der EU trennen muss ist immer da.”

Die Entscheidung über die Zukunft liegt alleine auf den Schultern der schottischen Bevölkerung. Eines ist sicher: Die Entscheidung dieser vier Millionen Menschen wird in die Geschichtsbücher eingehen.