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Schottland nach Referendum: "Beide Seiten haben gewonnen"

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Schottland nach Referendum: "Beide Seiten haben gewonnen"

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Euronews: Die Euronews-Korrespondentin Joanna Gill hat die Kampagne zum schottischen Referendum verfolgt. Joanna, die schottische Hauptstadt hat wie das übrige Land mit “nein” gestimmt. Sogar ziemlich eindeutig. Wie ist die Stimmung vor Ort?

Joanna Gill: Das Wetter ist ziemlich düster hier in Edinburgh und die Stimmung ist gedrückt. Meiner Ansicht nach auf beiden Seiten. Ich habe einige Leute getroffen, die mit “ja” gestimmt haben, und die kämpften mit den Tränen. Waren aber auch verärgert wegen der vertanen Chance.

Auch bei denen, die mit “nein” gestimmt haben, war die Stimmung gedrückt. Aber eher deshalb, weil sie ihren Sieg nicht denjenigen unter die Nase reiben wollen, die für die Unabhängigkeit votiert haben.

Insgesamt haben wohl beide Seiten gewonnen. Daher resultiert wohl auch die etwas gedämpfte Stimmung. Denn es gibt ja das Versprechen, dass man mehr Macht erhalten soll.

Euronews: Die Kampagne war intensiv, belebend und wurde teilweise erbittert geführt. Wie geteilt ist Schottland heute? Und wie schwer wird es, diese Spaltung zu überwinden?

Joanna Gill: Die Stimmung ist, wie gesagt, eher gedrückt, die Atmosphäre auf den Straßen ist also nicht besonders angespannt, vor allem nicht in der Hauptstadt.

In den sozialen Medien gibt es schon eher hitzige Debatten aber ich denke, das wird sich im Verlauf des Tages beruhigen.

Die Leute werden jetzt nach Hause gehen und darüber nachdenken, was die versprochenen neuen Machtbefugnisse für die Zukunft des Landes bedeuten.

Euronews: Der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung, Alex Salmond, hat die Wahl verloren. Geht er geschwächt oder gestärkt aus der Abstimmung?

Joanna Gill: Alex Salmond ist immer noch erster Minister von Schottland, das zeigt seinen Erfolg. Und da wird sich vorerst auch nichts dran ändern.

Er wird nun, gemeinsam mit den Abgeordneten, darüber verhandeln, um welche Befugnisse es konkret geht und welche an Schottland abgetreten werden sollen.

Wenn man sich einmal die Entwicklung der letzten zwei Jahre ansieht. Wenn man schaut, dass vor zwei Jahren nur 30 Prozent für die Unabhängigkeit stimmen wollten und nun fast 45 Prozent. Dann ist das ein klarer Sieg für Alex Salmond.

Euronews: Schottland wurde mehr Macht versprochen. Um welche Zugeständnisse könnte es sich dabei voraussichtlich handeln?

Joanna Gill: Alle großen Parteien haben versprochen, dass es mehr Befugnisse geben soll bei den Steuerausgaben und der Sozialhilfe. Die Details müssen nun ausgehandelt werden. Es gibt einen Zeitplan, Anfang nächsten Jahres soll es konkrete ergebnisse geben.

Und sie haben ein großes Interesse daran, das zügig über die Bühne zu bringen. Denn es besteht die Gefahr, dass diese Unabhängigkeitsbestrebungen wieder aufflammen.