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Griechenland: Schuldenkrise, ganz privat

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Griechenland: Schuldenkrise, ganz privat

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Jahre der Rezession, Jahre scharfer Sparprogramme, Lohnkürzungen, Rentenabschläge könnten für viele Griechen erst der Anfang gewesen sein. Der Anfang vom Ende: Im ersten Quartal 2014 war ein Drittel aller Business-, Hypotheken- und Konsumentenkredite notleidend.

Eleni Likoudi hat ihren Laden nicht mehr, die Pension wurde gekürzt. Jetzt bangt sie um ihr Haus:

“Ich habe Angst, es zu verlieren. Ich habe keine Ahnung mehr, was ich noch tun kann. Ich brauche Rechtsanwälte, Gerichte … es ist aussichtslos. Die einzige Aussicht ist, dass ich irgendwann auf der Straße lande… sonst nichts …hilft mir jemand … Ich weiß nicht … “

Ein Geschäfts- und ein Konsumentenkredit, gewährt in besseren Zeiten, türmen sich auf zu 400.000 Euro.

Symela Touchtidou, euronews:

“In den vergangenen zwei Jahren ist aus der griechischen Schuldner-Gesellschaft eine Gesellschaft der überschuldeten Haushalte geworden. Nach den letzten offiziellen Daten sind Kredite über 77 Milliarden Euro notleidend. Insider sind überzeugt: Das steigt noch weiter.”

Bei uns auch, so das Echo aus anderen Krisenländern Südeuropas.

Italiens Banken klagen über 135.5 Milliarden Euro an kranken Krediten – gut ein Fünftel mehr als vor zwei Jahren (Mai 2012/2014).

Immer mehr notleidende Kredite könnten Spaniens Rating beschädigen, warnt Moody’s Investors Service.

In Portugal haben bereits um die 800.000 Familien ihre Häuser nicht halten können.

Rechtsberaterin Eleni Charalabidou einer griechischen Gewerkschaft

“Das Profil passt auf alle Mitglieder der Mittelklasse, egal ob am unteren oder am oberen Ende … die Leute haben ihre Jobs verloren, ihre Einkommen sind unter Ihre Schuldendienste abgesackt. Im Moment sind die Unternehmer dran, das ist der härteste Schlag für den Mittelstand.”

Noch halten in Griechenland viele mithilfe letzter Reserven durch – Mittelverdiener und ihre Häuschen oder Wohnungen sind vor Zwangsvollstreckungen per Gesetz geschützt. Bis Ende 2014.

Jetzt ist die Troika gefragt, meint Entwicklungsminister Nikos Dendias:

“Wir schlagen vor, die Strukturfonds zu nutzen, um den Schuldendienst von Problemkrediten in Südeuropa abzumildern – wenn die Zinsen zu hoch werden und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bevor Sie in den roten Bereich drehen. Griechenland und der Süden wollen kein Extrageld, nur Flexibilität bei der Nutzung der verfügbaren Mittel, um mit der Krise klarzukommen.”

Zur Zeit unterzieht sich Griechenland zum letzten Mal den Kontrollen der sogenannten Troika aus Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds. Bis Ende Oktober soll die Mission abgeschlossen sein.

Neue Hilfskredite der europäischen Partner wird es ab Ende dieses Jahres nicht mehr geben, wenn das zweite Rettungspaket ausläuft.

su mit dpa