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Singapur hat eine neue Flamme: Erdgas

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Singapur hat eine neue Flamme: Erdgas

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Für diese Folge von Urban Visions über die urbanen Herausforderungen der Zukunft sind wir in Singapur. Der Stadtstaat mit 5,4 Millionen Einwohnern ist ein Beispiel für das Streben nach Energieunabhängigkeit. Seit Langem ein globaler Umschlagplatz für Erdöl, setzt Singapur nun auch in großem Stil auf Erdgas.

Eckdaten zum Energiesektor in Singapur

  • Die Republik Singapur liegt an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel an einer wichtigen Handelsstraße
  • Der Stadtstaat ist ein internationales Drehkreuz für den Handel und die Raffinerie von Erdöl
  • Singapur hat keine eigenen Brennstoffressourcen und muss sich durch Importe versorgen
  • Auf der Insel Jurong haben sich seit Beginn des Erdölhandels 1891 viele wichtige Erdölkonzerne angesiedelt
  • Im Container-Hafen ist seit Mai 2013 ein LNG (Flüssiggas) -Terminal in Betrieb
  • Singapur strebt eine größere Energiesicherheit an und will sich von den Gaslieferungen über Pipelines aus Malaysia und Indonesien unabhängig machen


Der Strombedarf wird zu mehr als 90 Prozent mithilfe von Erdgas gedeckt. Anfang der 90er Jahre war Erdöl nahezu die einzige Energierquelle.

Anton Finenko, Institut für Energiestudien, National University of Singapore: “Erdgas statt Erdöl zu nutzen ist wirtschaftlich interessanter und sauberer. Die Effizienz von Gasturbinen ist fast doppelt so groß, wie die von Erdölturbinen. Den Stromerzeugern in Singapur wurden zudem Repowering-Programme angeboten, um auf dem heimischen Markt wettbewerbsfähiger zu werden.”

Angesichts der vorteilhaften Preisangebote für Erdgas lassen sich immer mehr Kunden wie Einkaufszentren, Krankenhäuser oder Flughäfen, an das rasant wachsende Stadtgasnetz anschließen.

Seamus Kearney, euronews: “Weil mit einem steigenden Erdgasbedarf der privaten und industriellen Kunden zu rechnen ist, suchen die Behörden nach dem besten Weg, das Gas auch in Zukunft so billig und effizient wie möglich strömen zu lassen.”

Rund die Hälfte der Privathaushalte wird derzeit durch das Gasnetz versorgt. Ein Großteil des Erdgasbedarfs wird aus Malaysia und Indonesien eingeführt.

Aus Mangel an eigenen Ressourcen hat sich Singapur für die dringend notwendige Diversifizierung der Energiequellen entschieden. Im vergangenen Jahr öffnete in Singapur der erste LNG-Terminal, eine Anlage für den Umschlag von Flüssiggas. Sie ist der Ausgangspunkt für ein neues regionales Drehkreuz.

Anton Finenko, Institut für Energiestudien, National University of Singapore: “Offensichtlich wird sich dieser Trend künftig fortsetzen, mehrere Faktoren weisen deutlich darauf hin. Zum Beispiel soll das LNG-Terminal in den kommenden Jahren vergrößert werden und eine weitere Anlage im Osten Singapurs entstehen, in den kommenden zehn Jahren.
Daraus können wir schließen, dass Flüssiggas in Singapurs Wirtschaft einen wichtigen Marktanteil haben wird.”

Flüssiggas ist Gas, das durch Kühlung und Kompression verflüssigt und auf 1/600 seines gasförmigen Volumens reduziert, wird. Das bedeutet, dass es einfacher auf Schiffen und Lastern transportiert werden kann. Experten zufolge ist das eine interessanter Vorteil für Staaten, die mehr Sicherheit bei der Energieversorgung- und Lieferung wünschen.

Peter Lambert, Erdgasexperte, McKinsey & Company: “Bei der Gasversorgung über Pipelines entsteht eine starke Abhängigkeit zu einem oder mehren Lieferstaaten. Und wenn diese Lieferungen aus irgendeinem Grund unterbrochen werden, sei es aus politischen oder rein technischen Gründen, steht man ziemlich hilflos da.”

Wer bereits über LNG-Anlagen verfügt, könnte auf dem globalen Markt für Flüssiggas schnell einen Ersatzlieferanten finden. Kostspielige Gasreserven entfällt wären nicht mehr nötig.

Schauen Sie auch die nächste Folge von Urban Visions, diesmal in Rio de Janeiro!