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"Was sind das für Muslime?" Syrische Kurden fliehen vor IS-Dschihadisten in die Türkei

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"Was sind das für Muslime?" Syrische Kurden fliehen vor IS-Dschihadisten in die Türkei

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Ihre Zahl geht in die Hunderttausende. Syrische Kurden, die vor der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in die Türkei fliehen. Seit vergangenem Freitag, als die Grenzen geöffnet wurden, gelangten fast 140.000 von ihnen in die Türkei. Und es könnten noch mehr werden. Die UNO rechnet mit fast einer halben Millionen weiteren Flüchtlingen, und sie warnt vor einer der schlimmsten humanitären Krisen seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien vor gut drei Jahren.

Carol Batchelor vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR: “In den vergangenen dreieinhalb Jahren haben wir es nicht erlebt, dass Hunderttausend Menschen innerhalb von zwei Tagen über die Grenze fliehen. Inzwischen sind in der Türkei fast 1,6 Millionen Flüchtlinge, dazu kommen noch einmal Hunderttausende und ganz ehrlich, wir wissen nicht, wann der Strom endet. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt.”

Die Flüchtlinge stammen aus der kurdischen Enklave Ain al-Arab im Norden Syriens, auf kurdisch heißt sie Kobani. Die Dschihadisten haben rund 60 Dörfer rund um Ain al-Arab attackiert und die Menschen dort in die Flucht getrieben. Die Flüchtlinge berichten von dem Horror, den die islamistischen Gotteskrieger mit sich bringen.

Ismail Ahmad steht noch immer unter Schock. Unter Tränen erzählt er: “Sie drangen in unsere Häuser ein und schleppten unsere Töchter fort. Was sind das für Muslime? Was für ein Islam soll das sein? Sie köpfen die Leute. Wir sind hierher gekommen, um Schutz zu finden.”

Die Kurden sind wie die Islamisten zumeist Sunniten, doch die Dschihadisten betrachten sie als vom Glauben Abgefallene, als Apostaten, darauf steht bei den Extremisten der Tod. Elf Zivilisten richteten sie am Sonntag hin, darunter zwei Kinder. Auch andere Religionsgruppen wie die Christen oder Schiiten sind Opfer der Islamisten. Mit schweren Waffen rückten die Gotteskrieger vergangene Woche auf Kobani vor, über die Grenze hinweg ist ihre schwarze Flagge zu sehen.

Der Flüchtling Haci Hasan Bektas berichtet: “Sie kamen und tyrannisierten uns. Wir ließen unsere Häuser und unseren Besitz hinter uns und flohen mit unseren Familien und Kindern. Wir ließen alles, was hier hatten zurück, unsere Geschäfte, unsere Jobs. Die Dschihadisten sind grausam. Sie haben uns beschossen, sie haben uns tyrannisiert.”

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat umgerechnet gut 385 Millionen Euro gefordert, um den Flüchtlingen in der Türkei helfen zu können. Bisher habe man nicht einmal die Hälfte des Geldes zusammen, hieß es.

Zusatzinfo

Daten zu syrischen Flüchtlingen vom UNHCR
Hintergrundinformationen vom UNHCR zu kurdisch-syrischen Flüchtlingen