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Wie war Ihr Sommer so? Eine südeuropäische Zwischenbilanz

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Wie war Ihr Sommer so? Eine südeuropäische Zwischenbilanz

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Na, wie war Ihr Sommer so? Für die Einen banale Konversation. Für Europas Tourismusbranche eine Frage des Überlebens. Und? Wie war er? 2013 jedenfalls wählten 5,4 Prozent mehr das Reiseziel Europa – so der Marketingverband European Travel Commission (ETC). 2014 war bisher eher gemischt.

In Italiens Hotels waren Juni, Juli und August eher mau, verglichen mit dem vergangenen Jahr, so der Verband der Hotelbesitzer (Federalberghi). Er befragte mehr als 1.600 italienische Hotels.

“Leider waren die Ergebnisse negativ”, so Bernabò Bocca, der Präsident der Federalberghi. Es sei alarmierend, wenn man bedenke, dass der Tourismus einer der wichtigsten Wirtschaftssektoren Italiens ist.

Zum ersten Mal seit Beginn solcher Statistiken wurde ein Rückgang der Hotelkunden gemeldet (-0,6% im Juli, -0,2% im August).

Schlimmer noch: Die Krise in diesem Sektor schlägt durch auf den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Beschäftigten sank im Vierteljahr der Hauptsaison um 1,3%, die der Vollzeitjobs um 2,9%.

Da kam alles zusammen: Deflationsdruck, gestrichene Buchungen und vorzeitige Abreisen wegen schlechten Wetters. Insgesamt setzte die Branche zwischen Juni und August 5% weniger um als 2013.

Für Federalberghi ist das Problem klar: das Wachstum in der Zahl der ausländischen Touristen in letzten drei Jahren (2011: + 11%, 2012: + 1%, 2013: + 4,1%) kann den konstanten Rückgang der Binnennachfrage nicht mehr ausgleichen.

Giacomo Segantini; euronews:

“In Italien heißt es: wenn es regnet, ist die Regierung schuld. Die Hotelbesitzer gehen nicht ganz so weit. Aber Rom kriegt sein Fett weg. Die geforderten Maßnahmen: Weniger Steuerbelastung – einschließlich der berüchtigten “Touristensteuer”- und ein höheres Limit für Barzahlungen.”

Vicenç Batalla, euronews:

“Der Tourismus ist Spaniens profitabelste Industrie. Der August brachte wieder einen Besucher-Rekord. Und Briten, Franzosen und Deutsche füllten die Strände der Küste und die Inseln im Mittelmeer. Aber wehe, wenn die Wirtschaft in diesen Ländern in die Rezession zurückfällt und ihre Bürger kein Geld haben, um zu reisen.”

Laut einer Umfrage bei Touristen aus dem Ausland (Ministerium für Industrie und Tourismus) kamen in diesem August zum ersten Mal mehr als 9 Millionen ausländische Besucher nach Spanien – in nur einem Monat. Seit Januar waren es mehr als 45 Millionen.

Das größte Kontingent kam wieder einmal aus Großbritannien (2,1 Mio., 23,6%) und wollte auf die Balearen. Die Franzosen (2 Mio.; 21,8%), bevorzugten Katalonien. Den dritten Platz machten die deutschen Ballermänner (1,3 Mio.; 14,2%), vor allem auf den Balearen und den Kanarischen Inseln. Italiener und Portugiesen folgen (7,2% und 3,4% ).Und es kamen gut 8 Prozent weniger Russen als vor einem Jahr.

Alles anschnallen, wir landen in Griechenland.

Und in einem Rekordjahr.

2014 werden gut 21,5 Millionen Touristen erwartet, bis zu 15% mehr als 2013. Sie dürften 10 Prozent mehr in Griechenland lassen, 13,5 Milliarden Euro (2013: 12,1 Milliarden Euro).

Tourismus liefert ein Sechstel (16,3%) der griechischen Wirtschaftsleistung (2013, 2014: fast 17%).) Jeder fünfte Grieche arbeitet in der Tourismusbranche, die Arbeitslosigkeit ist im Juni um 27% gesunken (neueste Daten des Hellenischen Statistikamts).

Symela Touchtidou; euronews:

“Für Griechenland ist der Tourismus seit jeher die “starke Karte” der Wirtschaft. Dieses Jahr hat er das Spiel gemacht. Millionen Touristen dürften mehr als 13 Milliarden Euro hierlassen. Griechenland braucht diese Einnahmen dringend. Es hat 6 Jahre Rezession hinter sich.”

Aber die Konkurrenz schläft nicht.

“Die Gewohnheiten im internationalen Tourismus ändern sich, warnt Peter De Wilde, Präsident der European Travel Commission. “Europa ist weltweit das Touristenziel Nummer eins, mit gut der Hälfte der 563 Millionen Touristen (2013).” Doch Schwellenländer lockten mehr und mehr Reisende an.

Um das touristische Wachstum aus den Überseemärkten weiter voranzutreiben, sei ein koordiniertes Branding-Programm nötig, “das Europas Grundwerte und Stärken wirklich widerspiegelt.”

2013 trug die Reisebranche
8.2% zu Europas Wirtschaftsleistung bei und beschäftigte 30 Millionen Europäer – etwa jeden 12. (8%).

su