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Intensive Begegnung mit der Venus

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Intensive Begegnung mit der Venus

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Die Venus, ein mysteriöser Nachbar und eine bizarre Welt, in der die Sonne im Westen auf – und im Osten untergeht, und in der ein Tag länger als ein Jahr dauert. Die Raumsonde Venus Express der ESA hat die letzten acht Jahre mit der Sammlung von Daten verbracht, die der Wissenschaft einen frischen Einblick in die Atmosphäre und das Klima des Planeten gewähren soll. Mithilfe des Aerobraking-Manövers konnten diesen Sommer bislang unbekannte Wellen in der oberen Atmosphäre gemessen werden.

Das Observatorium in Paris wurde 1667 gegründet. Seitdem hat es die verschiedensten Methoden zur Untersuchung des Sonnensystems mitbekommen. Darunter auch eine Menge an Geräten, mithilfe derer beobachtet werden kann, wie die Venus die Sonne passiert.

“Hier haben wir ein einzigartiges Exemplar des photographischen Janssen-Revolvers. Dieses Instrument wurde im Pariser Observatorium hergestellt, um den Transit der Venus 1874 und 1882 zu beobachten”, erklärt der Planetenexperte Thomas Widemann.

Noch heute gilt das Pariser Observatorium als Vorreiter in der Wissenschaft der Planeten. Und es ist das Zuhause von Thomas Widemann, einem Spezialisten der seine Zeit damit verbringt, das Rätsel der Venus zu lösen.

“Venus und Erde sind wie Schwesterplaneten. Sie wurden am selben Ort im Sonnensystem geformt, noch näher als Mars und Erde sich sind, mit den selben Grundinhaltsstoffen, den selben Gasen, den selben Felsen die im primitiven Sonnensystem kreiselten. Dennoch waren beide Planeten zu völlig unterschiedlichen Schicksalen bestimmt.”, erklärt der Experte.

Venus fing also mehr oder weniger wie die Erde an. Doch jetzt ist sie staubtrocken und umhüllt von einer dicken, stickigen Atmosphäre aus Schwefelsäure und CO2.

Håkan Svedhem, ein Experte des Venus Express Projekts der ESA: “Sie hat eine sehr dichte Atmosphäre, um die 97 Prozent an Kohlendioxid, einen sehr starken Treibhauseffekt, und die Temperatur unten an der Oberfläche beträgt mehr als 450 Grad Celsius, der Druck liegt bei 92 bar, es ist fast das Hundertfache der Erde, und deshalb ist es ein wirklich sehr ungemütlicher Ort.”

Ungemütlich, aber auch ungewöhnlich – die Venus ist der einzige Planet, der sich im Uhrzeigersinn dreht. Und das ist noch nicht alles.

So Michel Breitfellner, wissenschaftlicher Leiter der Venus Express:
“Venus ist der einzige Planet des Sonnensystems, der mehr Zeit dafür braucht, sich um seine eigene Achse zu drehen, als einmal um die Sonne zu rotieren. Ein Venustag dauert also 243 Tage, und sie braucht 224 Tage, um einmal die Sonne zu umlaufen.”

2005 schoss die ESA die Venus Express Raumsonde ab. Das Ziel: einen näheren Blick auf diesen Sonderling namens Venus erhaschen zu können.

Acht Jahre lang suchte das Team des Venus Express die dichten Wolken ab. Dann enstandte es die Raumsonde in die Oberschicht der Atmosphäre, eine Technik namens Aerobraking.

Don Merritt aus dem ESA Stützpunkt bei Madrid erklärt:

“Wir begaben uns in dieser Richtung in die Atmosphäre, da diese Front der Raumsonde, welche ursprünglich an den Felsen befestigt wurde, die Geeignetste war, um es mit den Kräften und den Temperaturen aufzunehmen.
Außerdem drehten wir die Sonnensegel, um die Reibung und somit die Bremswirkung zu maximieren.

Das Aerobraking-Manöver ermöglichte die erste Nahaufnahme der oberen Atmosphäre der Venus – und es kam anders als erwartet:

“Wir sahen etwas Ungewöhnliches, und zwar die Druckschwankungen, so als ob dort Wellen in der Atmosphäre wären.Diese mögliche wellenartige Struktur hatten wir nicht erwartet. Die Analyse dieser Daten wird die Wissenschaftler eine Weile auf Trab halten. “

Aus den Daten des Venus Express ergab sich noch ein weiteres Rätsel für das Team der Wissenschaftler:
Sie haben festgestellt, dass die Winde auf der Venus immer schneller werden.

“Als wir vor acht Jahren die Venus erreichten, entdeckten wir Winde von bis zu 300 Stundenkilometern. Das ist schon sehr schnell, doch seitdem hat sich die Geschwindigkeit noch erhöht. Jetzt haben wir Winde von 400 Stundenkilometern gemessen, doch wir können nicht wirklich erklären, wie es dazu kommt.”, so Håkan Svedhem.

Noch mehr Rätsel gibt die Landschaft des Planeten auf.

Eins der seltenen Photos der Venus-Oberfläche von der russischen Venera 13 Sonde zeigt keine Spur von Vulkanen, aber eine Menge an vulkanischem Gestein.

“Die Oberfläche der Venus ist, in Bezug auf die Geschichte des Sonnensystems, noch relativ jung. Für uns gibt es einen Widerspruch zwischen der heutigen Abwesenheit vulkanischer oder tektonischer Aktivität und dieser noch relativ jung erscheinenden Oberfläche”, erklärt Widemann

Es gibt also vielleicht sehr seltene, geologische Prozesse von ungeheurer Stärke, die den Planeten auf katastrophale Weise
wiederbeleben und eine Art Wiedergeburt der Venuskruste herbeiführen könnten.

Was könnte also mit der Venus passiert sein, dass sie sich in einen solch höllischen Ort verwandelt?

Es gibt ein paar noch unbelegte Theorien,

“In der frühen Geschichte des Planeten muss es eine große Katastrophe gegeben haben, einen Zusammenstoß mit einem anderen großen Objekt. dadurch wurde die Rotation gestoppt, und ich denke das war der Wendepunkt im Leben der Venus.”, so Breitfellner.

Hinweise auf das in der Vergangenheit Geschehene könnten sich in den Datenmassen befinden, die der Venus Express gesammelt hat.

Venus selbst wird weiterhin faszinieren und überraschen.

Davon ist auch Widemann überzeugt:
“Venus ist der hellste Planet am Himmel. Und es ist das hellste Licht nach der Sonne und dem Mond. Dieser Planet gehört zum menschlichen Kulturerbe. Es ist vor allem diese besondere Persönlichkeit der Venus als ein leuchtendes, kulturelles Objekt, die mich anzieht. Vielleicht noch mehr als die wissenschaftlichen Gründe, von denen wir gesprochen haben.”

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