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IS-Kriegsfinanzierung: Schwarzes Gold auf Eselsrücken

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IS-Kriegsfinanzierung: Schwarzes Gold auf Eselsrücken

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Um die Kämpfe im Irak und in Syrien zu finanzieren, verkauft die islamistische Miliz IS Öl von eingenommenen Ölfeldern in Syrien – einige werden von US-Kräften gezielt bombardiert, etwa in der syrischen Provinz Deir al-Sor.

Die IS-Ölproduktion mithilfe einheimischer Ölarbeiter, zum Teil in provisorischen Raffinerien, wird auf zehntausende Barrel pro Tag geschätzt, sie soll zwischen knapp 800.000 und 2,35 Millionen Euro täglich einbringen, so Analysten.

Auf Schleichwegen soll das raffinierte Öl aus mindestens 11 Ölfeldern in Tanklastern, aber auch auf Eselsrücken oder Flößen in Richtung Iran, Türkei und Mittelmeer gelangen – über die westliche irakische Anbar-Provinz nach Jordanien, über Kurdistan in den Iran, über Mossul im Irak bis in die Türkei.

Beliefert würden auch lokale syrische Abnehmer und die Kurdenregion im Irak. Auch die syrische Regierung soll zu den Kunden gehören.

Luay al-Khatteeb, Gründer und Direktor des Irak-Energieinstituts:

“Es geht um sehr bescheidene Mengen, wir sprechen über 70-80.000 Barrel, die maximal per Lastwagen über die Grenze gehen – obwohl die türkische Regierung ihr Bestes tut, um die Grenze zu kontrollieren. Aber das ist sehr schwieriges Gelände, wir sprechen über einen 1.200 Kilometer langen Grenzstreifen zwischen der Türkei, Syrien und dem Irak.”

Anfang Juli hatten Dschihadisten des IS Syriens bedeutendstes Erdölfeld, das al-Omar-Ölfeld eingenommen. Syrien förderte 2008 insgesamt rund 380.000 Barrel pro Tag, in gut fünf Jahren sollen die Quellen weitgehend erschöpft sein.

Die eroberten Anlagen im Irak sollen bisher 220,000 Barrel täglich geliefert haben.

Luay al-Khatteeb:

“Der Schmuggel dürfte weitgehend über lokale Schleusernetze abgewickelt werden. Das sind illegale Deals und ich sehe keine Beteiligung internationaler Broker auf diesem Niveau. Wenn er verschwindet, dann hat das keinerlei Auswirkungen auf die 88-90 Millionen Barrel, die täglich gehandelt werden.”

Das Schmuggelöl soll für 25 bis 60 Dollar pro Barrel verkauft werden – auf dem Weltmarkt ist ein Barrel der Sorte Brent fast 97 Dollar wert.

Die Ölkonzerne Total und Royal Dutch Shell, die die Felder im Osten Syriens einst betrieben, haben das Land 2011 verlassen, wegen der Gewaltausbrüche.
Ende 2012 kontrollierte die vom Westen unterstützte Rebellengruppe Freie Syrische Armee drei Felder – in diesem Jahr übernahmen die Milizionäre vom IS.

Der illegale Handel mit Benzin explodierte mit dem Beginn der Aufstände in Syrien im Jahr 2011, doch die Schmuggelrouten gibt es seit Jahrzehnten.

„Es wird sicher nicht möglich sein, das Geschäft komplett abzuwürgen”, sagt David Butter, Experte für die Volkswirtschaften in der arabischen Region bei der britischen Denkfabrik Chatham House.

Mahmoud Kilani, su mit Reuters