Eilmeldung

Eilmeldung

Luftschläge gegen ISIL-Schwarzmarkthandel mit Öl

Sie lesen gerade:

Luftschläge gegen ISIL-Schwarzmarkthandel mit Öl

Schriftgrösse Aa Aa

Die Gruppe “Islamischer Staat” hat mittlerweile einen eigenen Schwarzmarkt für die von ihr eroberten Ölfelder in Syrien und dem Irak aufgebaut. Die Islamisten gelten als eine der reichsten Gruppen weltweit. Die Vereinigten Staaten von Amerika führen eine internationale Koalition an, die ISIL auslöschen will.

Luftschläge richten sich gegen die Gebiete, die die IS-Miliz in Syrien und dem Irak kontrolliert – vor allem gegen die Ölfelder. Denn Erdöl ist mittlerweile eine der Haupteinnahmequellen der Dschihadisten. Sie verkaufen es über Zwischenhändler zu extrem niedrigen Preisen. Schätzungen zufolge könnte ISIL pro Tag aus dem Erdölhandel einen Gewinn von bis zu drei Millionen Dollar erzielen.

Die IS-Miliz kontrolliert sieben Ölfelder und Raffinerien im Nordirak sowie sechs Felder in Syrien – einigen Experten zufolge vor allem in der Deir al-Zour-Provinz. Der Ölverkauf auf dem Schwarzmarkt trübt die Aussichten für das irakische und syrische Bruttoinlandsprodukt weiter.

Die ersten Militärschläge wirkten sich zwar negativ auf die Märkte in Europa und den USA aus, doch die regionalen Investoren litten am stärksten. So verzeichnen Saudi Arabien (- 2,8%) und die Vereinigten Arabischen Emirate (- 2%) seit dem 23. September die größten Verluste.

Wegen der geopolitischen Spannungen machen sich Investoren Sorge um den Nahen und Mittleren Osten – vor allem, weil der britische Premierminister David Cameron erklärte, dass der Krieg gegen ISIL noch mehrere Jahre dauern könnte.

Nour Eldeen Al-Hammoury, Chefstratege des Finanzdienstleisters ADS Securities in Abu Dhabi, erklärt im Interview die Situation an den Märkten im Nahen und Mittleren Osten.

Daleen Hassan: “Die Luftschläge der USA und ihrer Verbündeten richten sich gegen ISIL-Stellungen im Irak und in Syrien. Wie werden die Märkte Ihrer Meinung nach reagieren, wenn es so weitergeht?”

Nour Eldeen Al-Hammoury: “Ja, wir haben einige Rückgänge festgestellt. Diese Märkte reagieren jedoch sehr empfindlich auf jegliche geopolitischen Unruhen. Es handelt sich nur um kurzfristige Reaktionen wegen der Angst vor andauernden Militärschlägen, die zu einem regionalen Krieg werden könnten. Die Märkte sorgen sich vielmehr um die wirtschaftliche Schwäche Europas und der USA. Denn die Region ist zahlungsfähig und es gibt exzellente Investitionsmöglichkeiten.”

Daleen Hassan: “Welche Folgen haben die Luftschläge für den arabischen Ölhandel?”

Nour Eldeen Al-Hammoury: “Wir hatten einen Anstieg der Ölpreise mit Folgen für die Versorgung in der Region erwartet, vor allem mit Blick auf die Lage in der Ukraine. Aber das ist nicht der Fall. Die Ölpreise fallen und einige Länder unterstützen dies. Die Region ist daran gewöhnt, diese möglichen Gefahren miteinzubeziehen. Deswegen wird die Region trotz aller Luftschläge stabil bleiben.”

Daleen Hassan: “Denken Sie die Luftschläge gegen ISIL könnten deren Ölverkauf blockieren und ihnen finanziell schaden?”

Nour Eldeen Al-Hammoury: “Wir können diese Frage nicht beantworten. Fest steht, dass ISIL sich viele Feinde gemacht hat. Diese Feinde werden alles daransetzen, die Organisation an den Rand zu drängen. Bisher scheint Öl dabei keine große Rolle zu spielen. Sollten die ISIL-Gegner sich allerdings dafür entscheiden und die Schwarzmarktgeschäfte blockieren, dann würde sich das im globalen Ölpreis widerspiegeln – vor allem, wenn der Winter beginnt.”