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Pragmatisches Anti-ISIL-Bündnis

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Pragmatisches Anti-ISIL-Bündnis

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Die breite Koalition gegen die Dschihadisten des Islamischen Staates stellt alte Feindbilder auf den Kopf. Bei der Allianz aus mehr als 50 Staaten, von denen sich einige an den Luftschlägen in Syrien und im Irak beteiligen, wurden frühere Feinde zu neuen Verbündeten. So schien der syrische Außenminister in seiner Rede vor den Vereinten Nationen vom Montag stillschweigend die Bombardierung der Extremisten in seinem Land zu billigen

Einigen Militär- und Geheimdienstexperten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Bündnis mit den Bodentruppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zusammenarbeitet. Der Syrien-Spezialist und Leiter der Forschungsgruppe für den Nahen Osten an der Universität Lyon 2 Fabrice Balanche ist der gleichen Meinung.

Balanche meint, “man muss sich deutlich machen, dass Assad fest im Sattel sitzt, seine Armee ist stark und seine Verbündeten – der Iran und Russland – werden ihn nicht fallen lassen. Und er ist die einzige Stütze, mit deren Hilfe wir die IS-Miliz bekämpfen können. Also werden wir die Entscheidung treffen, das Assad-Regime nicht mehr zu stürzen, sondern es zu behalten. Das bedeutet allerdings keine diplomatische Annäherung.”

Wie der Syrien-Spezialist weiter erklärt, sind Luftschläge sehr kostspielig: Der Abschuss einer Rakete koste bis zu 1,5 Mio Euro. Ohne Verstärkung vom Boden seien Bombardierungen aber unwirksam. Das bedeute, dass die breite Koalition mit Kräften zusammenarbeiten muss, die nicht immer Verbündete waren. Balanche erklärt, “die einzigen verlässlichen Verbündeten, die man vor Ort haben könnte, sind syrische Kurden, die gegen die IS-Miliz kämpfen müssen. Allerdings gehören die syrischen Kurden zur PKK, die von den USA als Terroristenorganisation eingestuft werden. Die syrische Armee von Baschar al-Assad gilt als illegitim. Früher oder späte muss man mit den beiden Feinden verhandeln, ob man die Extremisten der ISIL in Syrien ausradieren will, denn es sind nicht die moderaten Rebellen, mit denen man das schaffen kann.”

US-Außenminister John Kerry warnte, die Kämpfe könnten sich mehrere Jahre hinziehen. “Es schützt die Zivilbevölkerung, wenn sie nicht trinkt, nicht raucht, wenn sie die Scharia respektiert, weil sie dadurch mit den Islamisten im Einklang lebt. Und wenn die USA sagen, es brauche Zeit, die Dschihadisten-Miliz zu bekämpfen, dann stimmt das. Denn es wird eine schnelle militärische Antwort geben, aber darüber hinaus muss man dem Salafismus begegnen. Danach brauchen diese Regionen Recht, Sicherheit und wirtschaftliche Entwicklung, denn die Staaten leiden unter chronischer Unterentwicklung,” forderte Balanche in Lyon.