Eilmeldung

Eilmeldung

Hongkong: Chatten ohne Netz und Zensoren

Sie lesen gerade:

Hongkong: Chatten ohne Netz und Zensoren

Schriftgrösse Aa Aa

Als die jüngste Protestwelle der Hongkonger Demokratie-Aktivisten losging, empfahl Studentenführer Joshua Wong (17) auf seiner Facebook-Seite die Messenger-App “FireChat”, mit dem Hinweis, dass die Behörden die Mobilfunknetze jederzeit kappen könnten, und mehr als 100.000 folgten dem Tipp in weniger als 24 Stunden.

“FireChat” lässt sich nicht von außen kontrollieren, man kann chatten, auch ohne Netz, die Bluetooth-Funkverbindung reicht bis zu 100 Meter weit. Allerdings: Nachrichten werden anonym und unverschlüsselt verschickt. Privatchats sind nicht möglich.

Und den Erfolg zu Geld zu machen.

Micha Benoliel, einer der Gründer der Entwicklerfirma Open Garden, San Francisco:

“Wir wollen FireChat für die Nutzer kostenlos halten. Wir schaffen zusätzliche Benutzerzeit. Das heißt, wenn das Telefon nicht mit dem Netz oder einem Wi-Fi-Hotspot verbunden ist, kann man jetzt trotzdem mit einem Gerät oder jemandem in der Nähe kommunizieren. Wir verdienen, wenn eine Anzeige angezeigt oder über die App etwas gekauft wird. “

In China liegt ein sogenannter “Goldener Schild” über dem Internet, wer auf Facebook, Twitter oder Youtube zugreifen will, wird geblockt. Auch SMS werden von den staatlichen Anbietern überwacht. Wer verräterische Schlüsselwörter verschickt, bekommt sein Handy erstmal gesperrt, er wird der Polizei gemeldet.

Viele der Demonstranten befürchten außerdem, dass die Regierung bei großen Aktionen die Mobilfunknetze und Internetverbindungen lahmlegen könnte.

FireChat sei ideal für Strandbesuche, U-Bahn-Fahrten oder Campingausflüge in die Wildnis, so der Werbetext. Oder eben für Firechats, “Gruppendisskussionen mit mehr als 10.000 Gleichgesinnten.”

su mit Reuters, AFP