Eilmeldung

Eilmeldung

Ebola in Spanien: "Die Verantwortlichen sollten zurücktreten"

Sie lesen gerade:

Ebola in Spanien: "Die Verantwortlichen sollten zurücktreten"

Schriftgrösse Aa Aa

Es war die erste Rückführung eines am Ebola-Virus infizierten Europäers: Der spanische Missionar Miguel Pájares wurde unter höchsten medizinisch-militärischen Sicherheitsvorkehrungen aus Liberia zurück in seine Heimat gebracht. Am 7. August landete der 75-Jährige auf einer Militärbasis bei Madrid. Die 6. Etage des Krankenhauses Carlos III. wurde komplett für ihn geräumt, die Behandlungen setzten sofort ein. Doch am 12. August starb der Missionar am Ebola-Virus.

Am 22. September kam ein weiterer infizierter Spanier, Manuel Garcia Viejo, in Madrid an – auch er war Missionar und Direktor eines Krankenhauses in Sierra Leone. Drei Tage später starb er. 30 Freiwillige haben sich um die beiden Erkrankten gekümmmert.

Montagabend trat die spanische Gesundheitsministerin Ana Mato vor die Presse: “Heute ist in unserem Land ein neuer Patient identifiziert worden, der sich hier mit Ebola infiziert hat. Wir arbeiten mit vereinten Kräften, um dem Patienten zu helfen und die Sicherheit aller Menschen zu gewährleisten.”

Die 40-jährige Krankenschwester war unter den 30 Freiwilligen, die sich um die beiden Missionare gekümmert hatten. Am 30. September klagte sie über hohes Fieber. Doch weil sie nach Meinung der Ärzte keine weiteren verdächtigen Symptome aufwies, wurde nichts unternommen. Wertvolle Zeit verstrich. Erst als das Fieber stärker wurde, kam sie ins Krankenhaus.

Ungeklärt ist, wie sie sich infizieren konnte. Die Chefin der Gesundheitsbehörde Mercedes Vinuesa erklärt, “wir müssen herausfinden, wie sie sich angesteckt hat. Sie ist zwei Mal in Garcia Viejos Krankenzimmer gegangen: Zuerst bevor er starb, um seine Windeln zu wechseln, und dann nach seinem Tod, um die medizinische Ausrüstung einzusammeln. Nach unseren Informationen war sie in voller Schutzkleidung.”

Derzeit hinterfragt mancher Spanier den Sinn von Rückführungen erkrankter Missionare. “Es war nicht gut, sie in ihre spanische Heimat zu bringen. Ja, es waren Spanier, aber sie lebten dort seit 20, 30 Jahren. Besser wäre es gewesen, sie dort zu lassen,” meint eine Passantin in Madrid.

Beatriz Beiras, euronews:
Aus Madrid zugeschaltet ist nun Dr. Marciano Sánchez Bayle. Sie sind Kinderarzt, Nephrologe und Sprecher eines Verbandes zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens. Die erste Frage, die man sich im Nachhinein stellt: War es ein Fehler, die beiden Missionare nach Spanien zurückzubringen?

Marciano Sánchez Bayle, Sprecher eines Verbandes zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens:
Meiner Meinung nach ja. Denn so hat man eine Krankheit nach Spanien geholt, die es vorher hier nicht gab. Darüber hinaus hat das Krankenhaus nicht alle Sicherheitsbestimmungen erfüllt.

euronews:
Dass sich eine Krankenschwester in einem hoch angesehenen spanischen Krankenhaus mit dem Ebola-Virus anstecken konnte, überrascht – nicht nur die Menschen auf der Straße, sondern auch Wissenschaftler. Wie sehen Sie das?

Marciano Sánchez Bayle:
Ich denke, das war keine große Überraschung. Das Krankenhaus Carlos III. ist beinahe vom Gesundheitsrat der Stadt Madrid mit Unterstützung des Gesundheitministeriums geschlossen worden. Es ist nicht mehr das, was es mal war.

euronews:
Wie meinen Sie das?

Marciano Sánchez Bayle:
Alle Bereiche, die mit ansteckenden Infektionskrankheiten zu tun hatten, wurden geschlossen. Das dort beschäftigte Personal wurde auf andere Stellen verteilt. Das Labor sowie die Intensivstation wurden dicht gemacht. Das heißt, man hat im Vorfeld die Kapazitäten, um solche Krankheitsfälle zu behandeln, deutlich heruntergefahren.

euronews:
Mitglieder des zuständigen Gewerkschaftsverbandes CSI/F haben euronews gesagt, dass die Schutzkleidung der Kategorie 4, die Ebola erfordert, nicht immer benutzt wurde. Hören Sie solche Gerüchte zum ersten Mal?

Marciano Sánchez Bayle:
Ja, es gibt viele solcher Anschuldigungen, dass es keinen Informationsfluss gab und dann, dass die Ausbildung der betroffenen Mediziner und Pflegekräfte und die ihnen zur Verfügung stehenden Schutzmaßnahmen ungenügend gewesen seien oder nicht den geforderten Ansprüchen genügten.

euronews:
Es gibt viele Fragen zur Vorgehensweise von dem Moment an, als die Krankenpflegerin die ersten Symptome aufwies. Hat man sie nicht viel zu spät erst isoliert?

Marciano Sánchez Bayle:
Natürlich hätte man sie von dem Moment an, als sie die ersten Symptome hatte, isolieren müssen. Die Tatsache, dass sie sich als Krankheitsüberträger mehrere Tage lang in Madrid frei bewegen konnte, schafft zusätzliche Risiken, die man als sehr hoch einstufen muss.

euronews:
Viele Menschen wissen nicht, wie man sich vor dem Ebola-Virus schützen kann. Können Sie es uns kurz erklären?

Marciano Sánchez Bayle:
Das Virus überträgt sich nur, wenn man mit Körperflüssigkeiten der Kranken in Berührung kommt: Also Speichel, Schweiß, Blut, Urin und Sperma. Es kann nicht durch Luft übertragen werden.

euronews:
Wie stufen Sie das Krisenmanagement des Gesundheitsministeriums ein?

Marciano Sánchez Bayle:
Was hier gerade geschieht, ist gravierend. Die Verantwortlichen sollten umgehend zurücktreten. Man muss sicher stellen, dass die Lösung des Problems in den Händen qualifizierter und verantwortlicher Menschen liegt. Doch das ist derzeit nicht der Fall.