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Orange-Chef Stéphane Richard: Ziel ist die Marktführung in Europa

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Orange-Chef Stéphane Richard: Ziel ist die Marktführung in Europa

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Jährlich stellt Orange in Paris seine neuen Produkte vor, die unseren Alltag online-tauglich machen sollen. Mit seinen 41 Milliarden Euro Umsatz und 164.000 Beschäftigten ist das Unternehmen der größte Mobilfunkbetreiber in Frankreich. Orange hat weltweit 240 Millionen Kunden. Mit Firmenchef Stéphane Richard spricht euronews nicht nur über Innovationen, sondern auch über die Konsolidierung des Marktes und zukünftige Akquisitionen.

Giovanni Magi, euronews: “Orange führt neue Geräte, Anwendungen und Software ein. Spielen Neuerungen eine wichtige Rolle für das Wachstum von Unternehmen wie Orange?”

Stéphane Richard, CEO, Orange: “Ja, Neuheiten sind ein Schlüssel zu Wachstum und Abgrenzung von Konkurrenten im Markt. Denn erstens stehen wir im Telekommunikationsmarkt mitten in der digitalen Revolution, wir leisten einen großen Beitrag dazu, beispielsweise beim Konzept “Internet der Dinge” (IdD) oder bei Cloud-basierten Diensten, Mobile Banking, aber gleichzeitig sind wir eine Branche, in der es den Trend gibt, dass nur die Preise das Auswahlkriterium der Verbraucher sind. Mit unseren neuen Diensten und Innovationen wollen wir erreichen, dass unsere Kunden noch zufriedener mit Orange sind.”

euronews: “Ein Faktor ist also auch der Wettbewerb zwischen Telekommunikationsgesellschaften.”

Stéphane Richard: “Auf jeden Fall, es ist ein Erfolgsfaktor im Wettbewerb. Es gibt zwei Faktoren: Die Qualität der Netze ist immer noch die Basis und der Grund, warum wir viel in unsere Netze, sowohl Festnetz als auch Mobilfunk der vierten Generation investieren. Außerdem Neuerungen im Dienstleistungssektor, bei der Benutzeroberfläche (user interface), in der Kundenbeziehung, um sich wirklich abzuheben, als wirklicher Partner wahrgenommen zu werden, der wettbewerbsfähig im Preis ist, aber darüber hinaus klare Vorteile bringt.”

euronews: “Der französische Markt ist in Aufruhr, wie in Europa und anderswo. Kürzlich haben Sie gesagt, vier Wettbewerber seien zu viel, der französische Markt brauche eine Konsolidierung. Heißt das, weniger Wettbewerb ist besser?”

Stéphane Richard: “Es ist nicht die Frage von weniger oder mehr Wettbewerb. Der Punkt ist der, dass wir eine Industrie mit einem großen Bedarf an Investitionen sind, denn wir vernetzen das Land. Mit Glasfaserkabeln, mit 4G, ein großer Aufwand also. Man muss also immer ein Gleichgewicht finden zwischen auf Preis basiertem Wettbewerb und Investitionen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Größe des französischen Marktes nicht für vier Unternehmen ausreicht, die alles abdecken. Deutschland hat sich vor Kurzem von vier auf drei verkleinert. In den USA – dort hat der Markt die Größe der gesamten Europäischen Union – gibt es vier Betreiber, in China gibt es lediglich drei. Erklären Sie mir doch bitte einmal, warum drei Betreiber für China ausreichen und wie viele wir für Frankreich brauchen würden. Es ist nicht sinnvoll. Ich glaube, in Frankreich wie auch in anderen Ländern in Europa sind die Aufsichtsbehörden zu weit bei dem Versuch gegangen, die Anzahl der Unternehmen im Markt zu erhöhen und jetzt sind wir wirklich in einer Phase der Konsolidierung.”

euronews: “Es scheint eine Konsolidierung bei den Netzen zu geben. SFR und Bouygues Telekom sind bereit, ihre Netze zu teilen. Warum ist Orange gegen diese Bewegung?”

Stéphane Richard: “Wir sind nicht gegen die gemeinsame Netznutzung an sich. Wie Sie wissen, sind wir in mehr als 30 Ländern tätig. Für ein Drittel unserer Antennen gibt es Netznutzungs-Vereinbarungen. In Spanien, in Rumänien und in vielen afrikanischen Ländern praktizieren wir sehr oft Netzwerk-Sharing. In Frankreich stehen wir vor einer solchen Vereinbarung (zwischen SFR und Bouygues). Wir sind nicht grundsätzlich dagegen, aber wir achten sehr genau auf die Bedingungen, unter denen ein gemeinsames Netz zustande kommen könnte – speziell bezüglich des 4G-Zugangs, das ist ein heikler Punkt. Aber ich habe nichts gegen gemeinsame Netze. Orange ist sicherlich nicht in der besten Position für ein solches Abkommen, denn wir sind führend am Markt und haben mit Abstand das beste Netz. Wir sind also nicht unbedingt bereit, das zu teilen. Diese Vereinbarungen sind nicht einfach umzusetzen. SFR und Bouygues werden merken, dass es nicht einfach ist und auch einige rechtliche Fragen aufwerfen kann. Unser Verhalten ist absolut normal, wir verteidigen lediglich unsere Interessen, wenn wir sehr auf das regulatorische Umfeld von diesen Netznutzungs-Vereinbarungen achten.”

euronews: “Sie haben ein freundliches Übernahmeangebot für den spanischen Telefonbetreiber Jazztel gemacht. Heißt das, Orange hat eine Strategie für die Führung in Europa?”

Stéphane Richard: “Ja, natürlich wollen wie Nummer eins oder zwei in den Märkten sein, in denen wir präsent sind. In Europa muss man heutzutage klare Ziele haben, um an der Spitze zu stehen. In Spanien wäre es für uns strategisch wichtig mit Jazztel zu fusionieren, das ist ein sehr erfolgreiches Unternehmen. Und wir würden zwei Erfolgsgeschichten kombinieren: Orange in der Mobilfunk- und Jazztel in der Festnetz-Sparte. Wir würden also ein tolles Unternehmen mit diesen beiden Komponenten entstehen lassen. Und wir hätten sicherlich eine sehr attraktive Position im spanischen Markt mit der Kapazität, auch stark in Glasfaser-Netze zu investieren, da das Ziel ist, bis 2017 10 Millionen Haushalts-Anschlüsse zu haben. Das ist bald.”