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Weltbank-Präsident Kim sieht "klägliches Versagen" im Umgang mit Ebola

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Weltbank-Präsident Kim sieht "klägliches Versagen" im Umgang mit Ebola

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Die internationale Gemeinschaft ist in ihrem Kampf gegen Ebola “kläglich gescheitert”. Das sagte Weltbank-Präsident Jim Yong Kim der britischen Tageszeitung “The Guardian”. Der Ausbruch der Krankheit könne die westafrikanischen Wirtschaften bis Ende 2015 umgerechnet 25,5 Milliarden Euro kosten – vorausgesetzt, die Epidemie werde rasch unter Kontrolle gebracht. Kim forderte die westlichen Regierungen auf, sich an einem neuen Gesundheitsfonds für Notfälle mit einem Volumen von 15,7 Milliarden Euro zu beteiligen. “Ebola hat uns auf die Probe gestellt, und wir haben versagt”, so Kim.

An den Folgen der Epidemie sind nach Angaben der Vereinten Nationen fast 3900 Menschen gestorben. Kim warnte davor, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Virus nach Fällen in den USA und Spanien nun auch weitere europäische Länder erreichen könne, “ziemlich hoch” sei. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des deutschen Bundeslandes Sachsen ist in Leipzig ein Ebola-Patient aus Westafrika eingetroffen. Es handle sich um einen Mitarbeiter der Vereinten Nationen, der in der Leipziger Spezialklinik St. Georg behandelt werde.

Weltbank-Chef Kim bezeichnete Ebola als “weltweite Bedrohung” und forderte die internationale Gemeinschaft zu einer “entschiedenen Antwort” auf. Das Virus habe das Potenzial, massive Folgen für die Wirtschaften in Guinea, Liberia und Sierra Leone sowie weiteren Nachbarländern in Westafrika auszulösen. Die internationale Gemeinschaft müsse Wege finden, logistische Hindernisse zu überwinden und mehr Ärzte, mehr ausgebildetes medizinisches Personal, mehr Krankenhausbetten und medizinische Hilfe in die Region zu schicken. Die internationale Gemeinschaft wisse, dass eine schwache öffentliche Gesundheitsinfrastruktur und schwache Institutionen in vielen Ländern nicht nur eine Bedrohung für deren Bürger sei, sondern auch für deren Handelspartner und die ganze Welt.

Die “enormen wirtschaftlichen Kosten” des derzeitigen Ebola-Ausbruchs hätten verhindert werden können, wenn “umsichtig in den Ausbau von Gesundheitssystemen investiert worden wäre”, sagte der Weltbank-Chef. Nach eigenen Angaben will die Weltbank umgerechnet mehr als 313 Millionen Euro Notfallhilfe für die drei am schlimmsten betroffenen Länder zur Verfügung stellen. Die erfolgreiche Eindämmung von Ebola in Nigeria und dem Senegal zeige, dass das Virus mit bestehenden Kapazitäten im Gesundheitssystem und einer resoluten politischen Antwort wirksam bekämpft werden könne.

In einem Bericht der Weltbank heisst es, die Bemühungen um eine Eindämmung der Epidemie, die finanzielle Unterstützung und die Wiederherstellung von Investorenvertrauen sowie eine verstärkte Krankheitsbekämpfung und bessere Möglichkeiten in der Diagnose und Behandlung seien vielversprechend im Hinblick darauf, das Abwehrverhalten der Staaten in der Region zu ändern, das schon so viel wirtschaftlichen Schaden angerichtet habe.

Am Kampf gegen Ebola sind mindestens 15 UN-Organisationen und private Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und das Rote Kreuz beteiligt. Doch trotz der dreistelligen Millionenbeträge, die etwa die Weltbank, die Europäische Union, die USA und der Weltwährungsfonds zur Verfügung stellen, klafft eine bedeutende Lücke weiter. Bereits Mitte September schätzten die Vereinten Nationen, dass allein in den kommenden sechs Monaten insgesamt mehr als 770 Millionen Euro benötigt würden, um Ebola und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Virus in Liberia, Sierra Leone und Guinea zu bekämpfen. Viele Experten gehen davon aus, dass die Ausbreitung der Seuche noch andauern wird.