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Steigende Preise, sinkende Nachfrage, der Hrywnia bricht ein - die Ukraine steckt in der Krise

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Steigende Preise, sinkende Nachfrage, der Hrywnia bricht ein - die Ukraine steckt in der Krise

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Angespannte Atmosphäre vor der ukrainischen Notenbank in Kiew. Der Verfall der Kaufkraft hat zu Protesten gegen die Geldpolitik der Regierung geführt. Die Demonstranten werfen ihr vor, die ukrainische Währung, den Hrywnia, zu vernachlässigen. Seinerzeit kostete ein US-Dollar knapp fünf Hrywnia – heute sind es fast 13.

“Das ist unhaltbar”, sagt einer der Demonstranten, “die Gehälter steigen nicht, die Renten sind eingefroren, wir sind gezwungen, einen hohen Wechselkurs zu bezahlen. Der Hrwynia ist gegenüber dem Dollar auf einen sehr tiefen Kurs gefallen, aber die Preise für Lebensmittel, Benzin und alles andere sind daran gebunden, alles, was man kaufen kann.”

Im Stich gelassen von den Investoren, im Osten des Landes tobt der Krieg – die ukrainische Wirtschaft muss es ausbaden. Dieses Jahr ist das schlimmste seit der Krise 2009, das Bruttoinlandsprodukt ist seither um 15 Prozent gesunken.

Allein von Juli 2013 bis Juli diesen Jahres brach es um 9,5 Prozent ein. Die Industrieproduktion ist um 21,4 Prozent gesunken und der Hrywnia hat seit Jahresbeginn gegenüber dem Dollar 38 Prozent seines Wertes verloren.

Auf einem Markt in Kiew sind die Preise explodiert. Brot kostet bis zu zehn Prozent mehr, Zucker und Fleisch sind nahezu unerschwinglich. “Ich kann noch nicht einmal einen Kohlkopf kaufen, die kosten fünf Hrywna pro Kilo”, sagt eine alte Frau, “über Fleisch rede ich gar nicht erst – das kostet 70 bis 80 Hrywnia, das kann ich mir nicht leisten.” Auch einer ihrer Altergenossen meint: “Ich esse Tomaten, Gurken und Kartoffeln. Ich kann kaufen, was ich will – aber immer nur eine kleine Menge. Ich kann mir nur wenig leisten.”

Nach jüngsten Erhebungen des Internationalen Währungsfonds kehrt das Wachstum in der Ukraine nicht vor 2016 zurück. Die Ukrainer haben keine Wahl, nach Auffassung von Volodymyr Lapa, Vorsitzender des Ukrainischen Agrarwirtschaftsclubs, müssen sie sich anpassen. Das Einkommen der Verbraucher ist begrenzt, das Realeinkommen steigt leider nicht”, sagt er. “Also ist die Nachfrage gering, besonders nach Importgütern. Die Menschen versuchen also, billigere Waren zu kaufen, die eine geringere Qualität haben, etwa Lebensmittel, damit sie in ihrem finanziellen Rahmen bleiben.”

euronews-Reporter Dmytro Polonsky sagt, seit Jahresbeginn seien die Lebensmittelpreise um mindestens zehn Prozent gestiegen. Die Hauptgründe dafür seien höhere Treibstoffpreise und die Entwertung der Landeswährung. Nach Auffassung von Experten bleibe der Markt für die ukrainische Landwirtschaft mindestens bis zum 26. Oktober unstabil – dem Tag, an dem es vorgezogene Neuwahlen gebe.