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Ankaras Doppelstrategie

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Ankaras Doppelstrategie

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Die Gefechte sind nur einen Steinwurf entfernt. Machtlos sehen türkische Kurden zu, wie die IS-Miliz ihre Angriffe auf die syrische Grenzstadt Kobane verschärft. Türkische Panzer sind in Stellung gebracht – doch für einen Eingriff gibt Ankara kein grünes Licht. Denn Kobani wird von syrischen Kurden verteidigt. Diese haben Verbindungen zur PKK, der Arbeiterpartei der türkischen Kurden, die von Ankara als Terroristenorganisation eingestuft wird. Ein türkischer Kurde meint, wenn Ankara nicht eingreife, dann werde die Lage nur schlimmer. Dann gebe es überall in der Türkei Krieg, Menschen würden sterben. Geschäfte und Fahrzeuge würden brennen. Die Leute würden Soldaten und Polizisten angreifen. Es gebe ein großes Massaker.

Seit mehreren Tagen schon gibt es in der Türkei Übergriffe von Kurden auf Sicherheitskräfte. Sie verlangen ein Eingreifen Ankaras in Syrien. PKK-Führer Abdullah Öcalan drohte vom Gefängnis aus, ansonsten den vor zwei Jahren begonnenen Friedensprozess auf Eis zu legen. In der Türkei leben insgesamt bis zu 20 Millionen Kurden. Worte, die keinen Eindruck auf den türkischen Präsidenten machen: Recep Tayyip Erdogan erklärte, “die Türkei ist kein Land, dessen Innen- und Außenpolitik von Terroristen und ihren gewaltsamen Taten beeinflusst wird. Sie alle – und auch ihre Führer – sollen sich sicher sein, dass sich die Türkei nicht durch Straßenproteste einschüchtern lässt und seine politische Richtung nicht ändert.”

Eine Bestimmtheit, mit der Ankara auch der NATO gegenübertritt: Die Türkei wolle keinen militärischen Alleingang. Und es soll nach dem Willen der türkischen Regierung eine Pufferzone mit einem Flugverbot auf Seiten Syriens geschaffen werden.
So will sie verhindern, dass sich der Konflikt auf die Türkei ausbreitet. Und so will sie die Bewaffnung der syrischen Kurden kontrollieren.

Hinter der PKK und der türkischen Regierung liegen fast 30 Jahre bewaffneter Auseinandersetzungen: 45.000 Menschen starben in der Zeit. Die Kurden kämpfen für größere Autonomie. Ankara will jedoch kein unabhängiges Kurdistan an seiner Grenze im Osten. Indem die türkische Regierung eine westliche Bodenoffensive fordert, verhindert sie indirekt, dass türkische Kurden die Grenze nach Syrien überqueren und sich mit den syrischen Kurden bei der Verteidigung Kobanis zusammenschließen. Es ist nicht Ankaras oberstes Ziel, die Dschihadisten von ISIL zu bekämpfen, sondern den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen.