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Wie Lärm das Leben vereinfacht

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Wie Lärm das Leben vereinfacht

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Ingenieure und Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts EAR-IT entwickeln im spanischen Santander die Stadt der Zukunft.So wollen sie beispielsweise die Wege für Krankenwagen sicherer machen, damit diese bei Notfällen nicht mit anderen Autos zusammenprallen. Dafür brauchen sie Stadtlärm, denn er liefert die benötigten Daten.

Projektkoordinator Pedro Maló nutzt dafür akustische Empfangsgeräte. Diese könnten können Krankenwagen schnell zu einem Krankenhaus bringen, indem sie beispielsweise die Ampeln umschalten.

Die akustischen Sensoren erkennen das typische Sirenengeheul automatisch. Das System nimmt wahr, aus welcher Richtung der Krankenwagen kommt, und kann die Ampeln so steuern, dass er freie Fahrt hat.

“Sensoren haben viele Vorteile”, erläutert Györgi Nagy, Forscher beim Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie. “Sie sind kosteneffizient und können für alles Mögliche genutzt werden. Und akustische Sensoren brauchen keine freie Sicht: Selbst wenn wir das Auto nicht sehen, können wir es an seinen Geräuschen erkennen.”

Dutzende von akustischen Sensoren sind der neueste Teil des stadtweiten elektronischen Netzwerks, das Santander zum besten europäischen Beispiel einer “schlauen Stadt” macht.

“Mit dem Begriff ‘schlaue Stadt’ meinen wir ein System, das Daten über das Stadtleben sammelt”, sagt Wissenschaftler Luis Muñoz. Es könne beispielsweise dabei helfen, den Verkehr oder den Energieverbrauch zu regeln. “Diese Systeme schaffen eine nachhaltigere Stadt.”

Auch andere Sensoren können im Alltag nützlich sein. Ein Beispiel sind elektromagnetische Sensoren auf Parkplätzen. Sie zählen, wie viele Parkplätze noch frei sind. Die Daten werden auf Smartphones übertragen.

Aber wie sieht es mit der Privatsphäre aus? Selbst wenn die Wände in Santander Ohren hätten, würden keine Gespräche aufgezeichnet, sagen die Wissenschaftler.

“Die Leute wollen nicht, dass man ihnen zuhört”, sagt Annika Sällström von der Technischen Universität Luleå, “aber sie können es akzeptieren, dass Geräusche aufgenommen werden, wenn es um ihre Sicherheit geht. In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass sie bereit sind, ein bisschen ihrer Privatsphäre für mehr Sicherheit aufzugeben.”

Das “schlaue Netzwerk” wird von einem Kontrollraum aus gesteuert. Neben seinem praktischen Nutzen dient es als stadtweites Labor und hilft den Forschern, die Stadt von morgen zu entwickeln.

Die akustische Infrastruktur könne auf unterschiedlichste Weise genutzt werden, erläutert der Forscher Juan Ramón Santana Martinez: “Wir überwachen den Verkehr, indem wir den Lärmpegel auf der Straße messen oder wir können Notfälle entdecken: Wenn jemand um Hilfe ruft oder jemand schießt, wird die Polizei automatisch verständigt.”