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Griechenland: Wehende Haare und verzweifelte Mienen*

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Griechenland: Wehende Haare und verzweifelte Mienen*

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Die Renditen griechischer Anleihen sind angesichts der Konjunktureintrübung in Europa wieder kräftig gestiegen, auf Krisenniveau. Viele Finanzexperten sind überzeugt: Das Land benötigt ein neues Hilfspaket, einen weiteren Schuldenschnitt oder gar eine eigene Währung, um wirtschaftlich wieder auf die Beine zu kommen.

Vor kurzem war noch über einen vorzeitigen Ausstieg Griechenlands aus dem laufenden Hilfsprogramm spekuliert worden.

Tasos Anastasatos, Generalsekretär des Finanzministeriums:

“Einerseits machen sich die Märkte Sorgen über die politische Instabilität, auf der anderen Seite gibt es Zweifel, wie es mit der griechischen Wirtschaft weitergeht, am Tag nach dem Ende des gegenwärtigen Anpassungsprogramms. Die griechische Regierung ist überzeugt, diese Sorgen sind unbegründet.”

Symela Touchtidou, euronews:

“Marktanalysten äußern Befürchtungen, dass die Tage von 2010 wieder aufleben, und die griechische Krise auf den gesamten europäischen Süden überschwappt. Für die Eurozone ist diese Schuldenkrise noch nicht ausgestanden, mit ihren Sparprogrammen und der Rekordarbeitslosigkeit.”

Die Negativstimmung hat die Renditen für zehnjährige griechische Staatsanleihen auf fast 9 Prozent getrieben, ein Niveau, das es einem Land kaum möglich macht, sich über die Finanzmärkte zu finanzieren, wie es die Griechen ab kommenden Jahr planen. Vor einem Monat hatten sich Geldgeber noch mit weniger als der Hälfte zufrieden gegeben.

Die Aktienbörse brach binnen zwei Tagen um mehr als 11 Prozent ein, griechische Banken erlitten herbe Kursverluste.

Takis Zamanis Börsenhändler :

“Ich glaube, nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre sind die europäischen Institutionen viel mehr auf der Hut und jederzeit bereit, zu handeln. Von der EZB wurden in den vergangenen 2-3 Monaten außerordentliche Aktivitäten erwartet, sie sind ausgeblieben. Aber ich glaube, dass wir bald eine zentrale Intervention bekommen, und die wird Folgen haben.”

Brüssel hat Griechenland nach Ausbruch der Marktturbulenzen versichert, das Krisenland weiter zu unterstützen.

“Um die Troika-Überprüfung abzuschließen, muss ein umfassendes Paket mit ehrgeizigen Reformen vereinbart werden,” so ein Sprecher.

Vor einem positiven Votum der Troika können keine weiteren Kreditraten aus dem
Hilfsprogramm ausgezahlt werden.
Die Euro-Finanzminister haben bisher nicht entschieden, wie es nach Auslaufen des europäischen Hilfsprogramms Ende 2014 weitergehen wird.

Im Gespräch für 2015 ist eine vorbeugende Kreditlinie der Geldgeber
zur Absicherung Griechenlands.

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  • Eine Figur der Gottheit Persephone auf einem Mosaik ist bei den Ausgrabungen in einem Grab aus der Zeit Alexanders des Großen in Nordgriechenland ans Tageslicht gekommen. Zu sehen sei die mythologische Entführung der Persephone durch den Hades, so Archäologen.

Das sehr gut erhaltene Bodenmosaik mit dem Gott Hermes und dem Gott der Unterwelt Hades war in der vergangenen Woche entdeckt worden. Das
neue Detail zeigt Persephone mit wehenden Haaren und verzweifelter Miene. Hades hatte sich der griechischen Mythologie zufolge in
Persephone verliebt und sie aus der Welt der Lebenden entführt.

su mit dpa