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China: Wachstum statt Turbowachstum

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China: Wachstum statt Turbowachstum

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Chinas Wirtschaft legt so langsam zu wie seit Anfang 2009 nicht mehr.

Dies könnte dazu führen, dass das Wachstumsziel der Regierung – 7,5 Prozent – verfehlt wird, zum ersten Mal seit 15 Jahren. Zwischen Juli und September stieg das Bruttoinlandsprodukt der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt um 7,3 Prozent zum Vorjahresquartal, so das nationale Statistikamt. Im Frühjahr hatte es noch das angepeilte Plus von 7,5 Prozent gegeben.

Eine Analystin in Düsselborf (Ulrike Rondorf vom Bankhaus Lampe): “Der Bausektor und die hohe Verschuldung belasten die Konjunktur zusehends.”

Li-Gang Liu, Australia and New Zealand Banking Group (ANZ):

“Wenn man sich die unverkauften Wohnungen in den größeren Städten ansieht, dann sind das recht viele. Das durchschnittliche Verkaufsvolumen sank um 20 oder 30 Prozent. Wir meinen, dass die Lockerung der Geldpolitik dem Immobilienmarkt einen kleinen Schub gibt.”

Ende September hatte die People’s Bank of China (PBoC) die Bedingungen für Immobilienkredite gelockert. Zum ersten Mal seit 2008 senkte sie für einige Eigenheimkäufer die Hypothekenzinsen und verringerte die Mindestquote für Anzahlungen. Parallel dazu kündigte sie Maßnahmen an, um finanziell angeschlagenen Immobilienentwicklern unter die Arme zu greifen.

Die meisten Experten erwarten nun, dass sich die Konjunktur weiter abkühlt und rechnen andererseits damit, dass die kommunistische Staatsführung die Wirtschaft weiter ankurbelt.

Das Regierungsziel 7,5 Prozent liegt weit unter dem zweistelligen Turbo-Wachstum der vergangenen Jahrzehnte. Sollte es in diesem Jahr
bei dem Tempo bleiben, wäre es das langsamste Wachstum seit 24 Jahren.

Der Internationale Währungsfonds prognostizierte China in diesem Jahr 7,4 Prozent Wachstum. Im kommenden Jahr soll Chinas
Wirtschaft nur noch mit 7,1 Prozent zulegen. Analysten (“The Conference Board”) erwarten im kommenden Jahrzehnt einen Rückgang auf durchschnittlich 3,9 Prozent.

Experten sehen sechs oder sieben Prozent Wachstum als Untergrenze, um ausreichend
Arbeitsplätze zu schaffen und Entwicklungsprobleme zu lösen.

su mit dpa, Reuters