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"Ein großartiger Chef - ich möchte fast sagen, ein Großmaul"

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"Ein großartiger Chef - ich möchte fast sagen, ein Großmaul"

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Christophe Gabriel Jean Marie Jacquin de Margerie wurde mit einem silbernen Löffel im Mund geboren – als Spross der französischen Champagner-Dynastie Taittinger. Das hinderte ihn nicht, bei Gelegenheit Klartext zu sprechen. “Bullshit” – so sein Kommentar, als ihn ein Ermittlungsrichter vor sieben Jahren für 48 Stunden in Untersuchungshaft steckte. Der Verdacht: Der Total-Manager sollte die Regierungen im Irak, in Iran und Kamerun geschmiert haben, um Aufträge an Land zu ziehen.

Im Sommer vergangenen Jahres wurde er im Korruptionsprozess zum früheren Irak-Hilfsprogramm “Öl gegen Lebensmittel” zusammen mit dem ehemaligen französischen Innenminister Charles Pasqua und 18 anderen Angeklagten freigesprochen.

Michel Sapin, französischer Finanzminister:

“Er war ein großartiger Unternehmenschef, eine große Persönlichkeit, ich möchte fast sagen, ein Großmaul. Mit einer Fähigkeit, seine Meinung zu sagen, ohne Angst, wen auch immer zu verärgern: Staatsoberhäupter, große Firmenchefs, oder führende Politiker in Frankreich – auch denen stieß er schon mal Bescheid.”

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte de Margerie als unabhängigen Charakter mit origineller Persönlichkeit und Hingabe für sein Land. Auch Kremlchef Wladimir Putin äußerte sein Beileid. Sein Sprecher Dmitri Peskow sagte, de Margerie habe sich stets leidenschaftlich für
den Ausbau der bilateralen Beziehungen eingesetzt.

De Margerie hatte den Mineralölkonzern zuletzt immer stärker in Russland ins Geschäft
gebracht. Mitte des Jahres unterschrieb er trotz der Ukraine-Spannungen einen Vertrag mit dem russischen Unternehmen Lukoil für eine neue Schieferölförderung in Sibirien.

Das größte russische Total-Projekt derzeit ist ein riesiges Werk für verflüssigtes Erdgas (LNG) auf der Jamal-Halbinsel mitten in der Arktis mit Novatek, einer privaten russischen Gruppe – 20% Beteiligung an einer Gesamtinvestition von rund 20 Milliarden Euro.

Vierzig Jahre im Dienst eines der sechs größten Mineralölunternehmen, seit sieben Jahren an der Spitze – “Big Moustache” – der “große Schnauzer” kannte die Branche und die internationale Energiepolitik wie seine Westentasche.

Ja, umstritten war er auch – Total war schließlich in Umweltskandale wie das Unglück des Öltankers Erika vor der bretonischen Küste 1999 verwickelt.

Und beliebt wegen seiner Hemdsärmeligkeit – nicht zuletzt bei den Total-Aktionären. Noch im Mai hatten sie dem 63jährigen einen Beschluss geschenkt: Total-Präsident darf man nun auch noch mit 70 sein, nicht mehr nur bis 65.

su mit dpa