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Vor der Wahl: Tunesier prangern hohe Preise an

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Vor der Wahl: Tunesier prangern hohe Preise an

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In Tunesien soll sich mit den kommenden Wahlen fast vier Jahre nach dem Sturz des Langzeitherrschers Ben Ali der demokratische Wechsel vollenden. Am Sonntag wählt das Land ein neues Parlament vor der Präsidentschaftswahl in einem Monat.

Beim ersten freien Urnengang 2011 kam die islamistische Ennahda als stärkste Kraft hervor. Sie trat nach zwei Jahren ab und übergab die Verantwortung an eine Übergangsregierung. Ein Entwicklung, die bei den Tunesiern für Misstrauen sorgte. Deswegen spricht der politische Experte Khaled Abid diesmal von einer möglichen Protestwahl. “Die meisten Tunesier hoffen, dass derjenige gewählt wird, der es verdient – statt wie bei der Wahl 2011. Ich glaube, diesmal wird es eine Protestwahl geben.”

Beste Chancen haben erneut die islamistische Ennahda und die weltlich ausgerichtete Nidaa Tunes. Eine Passantin in Tunis meint, “ich habe mich entschieden und weiß, wem ich meine Stimme gebe. Ich erwarte von den Politikern, dass sie die Lage im Land verbessern. Dass sie Terrorimus bekämpfen und Tunesien wieder zu dem wird, was wir alle lieben. Wir hoffen das beste für Tunesien.” Ein weiterer Tunesier fügt hinzu: “Ich wähle die Partei Nidaa und hoffe, dass sie dem Land hilft und vor allem den Benachteiligten. Ich hoffe, dass sie dazu in der Lage ist.” Andere glauben weiter an die Zkunft der islamistischen Partei. “Ich gebe noch mal Ennahda meine Stimme, das ist eine ehrliche Partei. Sie war an der Macht und hat sich freiwillig zurückgezogen,” meint ein Ladenbesitzer.

2011 gingen nur etwa 50% der Menschen zur Wahl, obwohl nach dem Arabischen Frühling die Hoffnung auf bessere Zeiten groß war. Diesmal wird mit einer ebenso geringen Beteiligung gerechnet. Es gibt Handlungsbedarf, erklärt Nidhal Ouerfelli, ein Sprecher der tunesischen Regierung. “Die Schwachstelle der vergangenen drei Jahre, vor allem nach der Revolution, war die Wirtschaft. Soziales, Politik und Verfassung standen im Vordergrund, während die Wirtschaft teilweise in Vergessenheit geriet. Heute müssen wir die Wirtschaft nach vorn bringen.”

Im Vergleich zu anderen Staaten steht Tunesien nach dem Arabischen Frühling gut da. Nichtsdestotrotz leben mindestens 15,5 Prozent der Menschen nach wie vor unterhalb der Armutsgrenze. Viele Menschen klagen über zu hohe Preise. “Ehrlich gesagt ist das Leben zu teuer. Es reicht hinten und vorne nicht. Sei es im Lebensmittelladen oder in anderen Geschäften – die Preise sind astronomisch,” macht eine Tunesierin ihrer Wut Luft. Sami Fradi, euronews-Korrespondent in Tunis, erklärt: “Vier Jahre nach der Revolution leiden die Menschen weiter unter zu hohen Preisen. Sie sind sehr enttäuscht von den Politikern und verlieren die Geduld angesichts der Versprechen, die noch nicht umgesetzt wurden.”

Sollte die Ennahda wieder gewinnen, wird die Suche nach einem Koalitionspartner schwierig. Es könnte erneut zum Stillstand kommen – obwohl wichtige Probleme angepackt werden müssen.