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Die Gewinner des WISE-Awards 2014

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Die Gewinner des WISE-Awards 2014

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Innovativ, interessant, einnehmend, aufregend – manche Bildungsprojekte sind herausragend. Wer hat in diesem Jahr den WISE-Award gewonnen, den Preis des Weltgipfels für Innovation und Bildung in Doha? Unser Thema, diese Woche in Learning World. Wir sehen uns drei von sechs Projekten an, die in diesem Jahr den WISE-Award des Weltgipfels für Innovation und Bildung in Doha erhalten haben.

CODESPA” und “Pro-Rural” in Peru

Mit einer Armutsquote von 54 Prozent müssen Kinder im ländlichen Peru ihren Familien oft helfen, über die Runden zu kommen. Eltern sehen häufig keinen Sinn in einer guten Schulbildung, weil sie nicht an die Alltagsbedingungen angepasst ist. Außerdem sind die Schulwege weit, die Lehrpläne entsprechen oft nicht dem Zeitplan in der Landwirtschaft. Das führt zu Arbeitslosigkeit, Armut und Perspektivlosigkeit für die Kinder.

Um dem entgegenzuwirken, hat die spanische Stiftung CODESPA zusammen mit der peruanischen Organisation “Pro-Rural” Trainingszentren eröffnet, die im Einklang mit den staatlichen Lehrplänen und den besonderen Bedürfnissen vor Ort stehen. Die Occopata-Akademie in Cuzco ist eines von 40 Zentren, die seit 2002 gegründet wurden

Von ihrem ersten Jahr an müssen die Schüler an einem Projekt in der Landwirtschaft arbeiten. Es beginnt mit einer kleinen Idee, die Schritt für Schritt weiter entwickelt wird und zu allmählichem Spezialwissen führt. Das Resultat ist ein Geschäftsplan, der nicht nur dem einzelnen Schüler, sondern der gesamten Gemeinschaft dienen soll. Dina ist 16, ihr Projekt ist die Meerschweinchenzucht.

Wenn Eltern sich um einen Ausbildungsplatz für ihre Kinder bewerben, müssen sie mit der Schule im Hinblick auf die besonderen sozio-ökonomischen Erfordernisse der Region für den Lehrplan zusammenarbeiten. Auf diese Weise werden die Eltern in den Lehrplan und in die Aktivitäten der Schule eingebunden. Alles, was die Kinder lernen, soll später auch der Gemeinschaft dienen. Wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, setzen die Schüler ihre Projekte und ihren Geschäftsplan eigenständig fort, häufig machen sie damit Gewinn.

“Me & MyCity” in Finnland

Finnland ist für seinen Unternehmergeist und eine stabile, sichere und wohlhabende Gesellschaft bekannt. Es ist kein Zufall, dass die Finnen ein viel bewundertes Bildungswesen haben. Denn sie glauben, dass dies der Grund für ihren Erfolg ist. Das bahnbrechende Projekt, an dem diese Schüler teilnehmen, gilt als perfektes Beispiel. Zur Initiative Me & MyCity (Ich und meine Stadt) gehört eine 500 Quadratmeter große Modellstadt. Hier werden den Kindern Unternehmertum, Wirtschaft und Gesellschaft nahe gebracht. Es gibt hier 15 Gebäude für Unternehmen, die Verwaltung, und außerdem gibt es eine kleine Post und eine Bank.

Die Kinder werden im Klassenraum auf ihren Besuch vorbereitet. Sie erhalten Unterricht über Wirtschaft und Fragen des öffentlichen Dienstes. Sie müssen die gleiche Verantwortung wie ihre Eltern übernehmen. Einer der geschäftigsten Orte in der Stadt ist die Bank. Jeder muss früher oder später herkommen, etwa um seine Scheckkarte abzuholen. Bislang haben 60.000 Schüler “Me & MyCity” besucht. Das Projekt gibt es in sechs Städten im Land.

“We love reading” in Jordanien

In einem Stadtteil der jordanischen Hauptstadt Amman machen sich Kinder auf den Weg, um an einer Vorlesesitzung im Haus von Nabila teilzunehmen. Jede Woche liest die 60-Jährige Kindern aus der Nachbarschaft vor. Sie konnte nicht immer ihr Publikum fesseln. Einen großen Teil ihres Lebens konnte sie nur schlecht lesen und hätte niemals davon geträumt, irgendwann einmal öffentlich laut vorzulesen. Aber sie hat eine Fortbildung mit der Initiative We love reading (Wir lieben das Lesen) gemacht. Das hat Nabilas Leben verändert.

Zuvor konnten die Kinder kaum Lesen oder Schreiben. Manche von ihnen haben die Schule verlassen. Aber Nabilas Bibliothek hat sie wieder zum Lernen gebracht, manche sind wieder zur Schule gegangen. Nabila liest auch ihrem Mann vor. Er freut sich, an dem “We love reading”-Training teilnehmen zu können. Die Organisation hat schon 700 Frauen und 30 Männer ausgebildet.

“We love reading” hat 300 Büchereien in Jordanien eröffnet – in Kindergärten, Gemeindezentren und Moscheen, wie etwa in Karaq. Sarah kümmert sich um die Lesestunden. Die Organisation fördert nicht nur die Liebe zum Lesen bei Kindern, sie eröffnet auch Frauen neue Möglichkeiten. Kürzlich sind im Flüchtlingslager Zaatari an der syrischen Grenze 30 Bibliotheken eröffnet worden. Sie erreichen etwa 10.000 Kinder in Jordanien, ihr Einfluss verbreitet sich immer schneller – auch in der übrigen arabischen Welt.