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Tsunami-Frühwarnsystem in Planung

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Tsunami-Frühwarnsystem in Planung

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Die Ozeane können unbarmherzig und unvorhersehbar sein. Tsunamis schlagen plötzlich zu und fordern Tausende Menschenleben. Wie können wir eine anrollende Welle rechtzeitig erkennen und Menschen noch in Sicherheit bringen?

Wir sind bei Setubal in Portugal. Dort testen Wissenschaftler eines Forschungsprojektes der EU ein Gerät, das automatisch eine ansteigende Welle erfasst und die Menschen an den anliegenden Stränden alarmiert.

Alessandro Annunziato, Chef des EU-Krisenmanagementlabors: “Wir wollen beweisen, dass eine Messung des Meeresspiegels an einem bestimmten Ort und die Analyse der Daten in Echtzeit es ermöglicht, noch rechtzeitig einen Alarm auszulösen.”

Das Schallmessgerät nutzt die Schallwellen, um die verschiedenen Niveaus des Meeresspiegels zu messen. Wenn das Wasser sich schnell nähert, heißt das, eine große Welle fließt unter dem Gerät durch. Wissenschaftler Daniele A. Galliano sagte: “Normalerweise wird das Schallmessegerät auf einer festen Auflage fixiert, aber für dieses Experiment ist es in Bewegung, um das Ansteigen und Abfallen des Meeresspiegels zu simulieren.”

Die Bewegung des Schallmessgerätes imitiert einen echten Tsunami, der sich in dieser Region ereignen könnte. 1755 wurde Lissabon von solch einer Welle zerstört.

Wissenschaftler Daniele A. Galliano: “Diese Kurve stellt die Tsunami-Welle dar, die unter dem Schallmessgerät durchrollt. Das gemessene Wassergewicht steigt rapide an.”

Das System hat eine schnelle Veränderung des Meeresspiegels erfasst. Wo wird das Alarmsignal nun hingesandt? Alle Daten zu Naturkatastrophen werden aus verschiedensten Quellen hier im Krisenmanagementlabor der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU im italienischen Ispra gesammelt und überwacht.

Das globale Katastrophenalarm- und Koordinationssystem GDACS wird automatisch aktiviert. Es analysiert drohende Naturkatastrophen und alarmiert die Abonnenten unter anderem via E-Mail und SMS. Das Abonnement ist kostenlos und offen für jeden.

Alessandro Annunziato, Chef des EU-Krisenmanagementlabors: “Wir überwachen nicht nur Tsunamis, sondern auch Erdbeben, Überschwemmungen und tropische Wirbelstürme, die durch Farben gekennzeichnet sind: grün, orange oder rot, das kommt auf die Gefahr drauf an und welche Konsequenzen es für die Bevölkerung hat.”

Zurück in Setubal wird die Testnachricht innerhalb von 30 Sekunden an eine digitale Anzeigentafel am Strand geschickt. Das System muss zunächst einen Tsunami bestätigen und einen Falschalarm ausschließen. Es bleiben rund 3,5 Minuten Zeit, um Menschen in Sicherheit zu bringen, bevor der simulierte Tsunami auf die Küsten trifft.

Wissenschaftler Fernando Carrilho:
“Diese Lösung ist besonders interessant, denn Sirenen
und die digitalen Warntafeln kommen gleichzeitig zum Einsatz und das ist einzigartig.”

Die Ergebnisse dieser Tests könnten dabei helfen, ein internationales Frühwarnsystem einzuführen, dass Europas Küsten schützt.