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Wendepunkt in der Geldpolitik: Die US-Notenbank Fed beendet Anleihekäufe.

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Wendepunkt in der Geldpolitik: Die US-Notenbank Fed beendet Anleihekäufe.

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Das ist der Wendepunkt: Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) lässt ihr Anleihekaufprogramm Quantitative Easing 3 (QE3) auslaufen. Der Erwerb von langfristigen Staatsanleihen und Immobilienpapieren war bereits seit Jahresbeginn von ursprünglich 85 Milliarden Dollar (66,7 Milliarden Euro, ab Herbst 2012) pro Monat in regelmäßigen Schritten zurückgefahren worden.

Die sogenannte Quantitative Lockerung – insgesamt wurden so mehr als 3 Billionen Dollar in die Wirtschaft gepumpt – gilt als Mittel expansiver Geldpolitik, wenn die Leitzinsen bereits nahe Null sind.

Seit der Krise im Jahr 2008 hatte die Fed drei Runden von Anleihekaufprogrammen aufgelegt. Zunächst galt es, mit den Maßnahmen das Finanzsystem zu stabilisieren. Später sollten sie dazu dienen, ein stärkeres Wachstum anzustoßen.

Die US-Börsen, die jahrelang von der Geldschwemme der Fed profitiert hatten, verloren in einer ersten Reaktion bis zu ein Prozent.

Die Leitzinsen, so die Fed, würden auch nach dem Ende des Anleihekaufprogramms noch für “eine beträchtliche Zeit” niedrig bleiben.

Der US-Leitzins liegt seit Ende 2008 rekordtief zwischen 0 und 0,25 Prozent. Viele Anleger gehen davon aus, dass die Fed ihren maßgeblichen Kurzfristsatz ab der Mitte des kommenden Jahres anheben wird.

su mit Reuters, dpa

Oleksandra Vakulina, euronews :

“Aus Washington ist jetzt euronews-Korrespondent Stefan Grobe bei uns.

Stefan, seit 2008 hat die Federal Reserve drei Runden von Anleihe-Kauf-Programmen durchgezogen, die ersten beiden galten vor allem der Stabilisierung des Finanzsystems und das jüngste der “schnelleren Erholung”. Was hat diese dritte Runde gebracht?”

Stefan Grobe, euronews:

“Die Fed wird Ihnen sagen, dass sie gewirkt hat, dass die Arbeitslosigkeit von mehr als 8 auf unter 6 Prozent zurückgegangen ist, dass die Wirtschaft gewachsen ist, wiewohl bescheiden, dass mehr eingestellt wurde und dass sie ein Beitrag war zu niedrigeren langfristigen Zinssätzen.

Die Gegner auf dem Capitol Hill (Sitz des US-Kongresses) und in der Wissenschaft, auch innerhalb der Fed, würden Ihnen sagen, dass das Quantitave Easing (QE 3) die bestehende Ungleichheit in Amerika nur verschärft hat, dass die neu geschaffenen Arbeitsplätze schlecht bezahlte Arbeitsplätze sind, die Löhne stagnieren und die Wirtschaft ziemlich unregelmäßig gewachsen ist. Viele denken: die Mittelschicht wurde wieder einmal eingeseift, während Aktien-Besitzer nur noch reicher rauskamen.”

Vakulina:

“Seit fast sechs Jahren pumpt die Zentralbank Geld in die US-Wirtschaft. Jetzt läuft das Kaufprogramm aus – ist die Wirtschaft stark genug, um es ohne diesen Anreiz zu schaffen, wächst sie von selber?”

Grobe:

“Das ist die Millionen-Dollar-Frage, oder? Bedenken wir aber, die quantitative Lockerung hat die Fed-Bilanz beispiellos aufgeblasen. Das Geld, das die Fed geschaffen hat, um Anleihen zu kaufen – mehr als 3 Billionen Dollar – könnte eine übermäßige Inflation anheizen, wenn das Wachstum irgendwann losgeht. Denkbar sind auch Spekulationsblasen, mit finanzieller Instabilität und einer möglichen neuen Krise. Dann gibt es immer die Gefahr eines schweren Rückschlags, den alles Mögliche lostreten könnte.”

Vakulina:

“Alle Fed-Entscheidungen werden von außerhalb der USA genau beobachtet, aber diese ist von besonderer Bedeutung. Wie könnte sie Europa und die Schwellenländer beeinflussen?”

Grobe :

“Wenn die US-Konjunktur loslegt, dann gibt das Europa und den Schwellenländern einen großen Schub. Aber es gibt noch andere wichtige Elemente: Was passiert mit dem Dollar, was passiert mit dem Ölpreis, und schließlich, wie geht es in der Eurozone weiter.”