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"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" - Der Mauerbau in Berlin

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"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten" - Der Mauerbau in Berlin

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“Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!” Das sagt DDR-Staats- und Parteichef Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 bei einer Pressekonferenz. Zwei Monate später ist die Berliner Mauer in großen Teilen gebaut. 15 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ist Berlin in vier Sektoren unterteilt. Im Kalten Krieg stehen sich Ost und West gegenüber, Millionen Deutsche fliehen aus der sowjetischen Zone.

Das soll aufhören. Am 13. August 1961 beginnt in einer Nacht- und Nebelaktion die systematische Abriegelung der gut 155 Kilometer langen Grenze um West-Berlin, 43 davon liegen im Berliner Stadtgebiet. Zunächst ist es Stacheldrahtzaun, der Familien, Freunde und das Berliner Stadtgebiet voneinander trennt.

Die sowjetischen Truppen sind in höchster Alarmbereitschaft, am Checkpoint Charlie stehen sich im Oktober 1961 US- und sowjetische Panzer gefechtsbereit gegenüber. Aus dem Stacheldraht wird eine massive Mauer aus Beton. Von 1975 an wird die fast 42 Kilometer lange Grenzmauer, im Osten “antifaschistischer Schutzwall” genannt, mit 3,60 Metern hohen Segmenten neu errichtet. Dazu kommen vier Meter lange Rohrauflagen. Der Todesstreifen ist zuletzt 15 bis 150 Meter breit.

In den 28 Mauerjahren bewachen mehr als 10.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee die Berliner Grenze, es gibt rund 300 Beobachtungstürme. Dennoch gelingt in der Stadt mehr als 5000 Menschen die Flucht, in der gesamten DDR sind es mehr als 40.000. Mindestens 138 Menschen werden bei Fluchtversuchen getötet. Das erste Maueropfer erliegt am 22. August nach dem Sprung aus einer Wohnung in der Bernauer Straße seinen Verletzungen. Zwei Tage später treffen die ersten Schüsse einen Flüchtigen im Humboldthafen.

Der letzte an der Mauer Erschossene ist ein 20-Jähriger. Er stirbt am 5. Februar 1989 bei einem Fluchtversuch an der Grenze zu Neukölln. Das letzte Maueropfer stürzt am 8. März desselben Jahres mit einem selbst gebauten Ballon im West-Berliner Stadtteil Zehlendorf ab. 28 Jahre lang trennte die Mauer Ost und West, Familien, Freunde. Tausende Berliner verloren nach dem Mauerbau ihren Arbeitsplatz. Viele Deutsche, ob in Ost oder West, bezeichneten das Bauwerk als “Mauer der Schande”. Am 9. November 1989 war der Albtraum vorbei.