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Mit der Hilfe Luxemburgs sparen Konzerne Steuern in Milliardenhöhe

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Mit der Hilfe Luxemburgs sparen Konzerne Steuern in Milliardenhöhe

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Großer Skandal im kleinen Land: Weltkonzerne haben mit Unterstützung Luxemburgs Steuern in Milliardenhöhe vermieden. Das kleine Gründungsmitglied der Europäischen Union half internationalen Konzernen mit unzähligen Sparmodellen, ihre Steuern fast auf null zu drücken.

340 große Unternehmen wie Apple, Crédit Agricole und Amazon haben von dem System in Luxemburg profitiert.

Ein halbes Jahr haben weltweit über 80 Journalisten des Internationalen Konsortiums Investigativer Journalisten (ICIJ) in einem Aktenberg aus 28.000 Seiten gewühlt, der ihnen zugespielt wurde. Jetzt haben sie enthüllt, wie das luxemburgische Steuersparsystem funktioniert.

Die Praxis ist legal: Konzerne wie Amazon schieben mit der Unterstützung von Banken und Steuerberatern Kosten, Gewinne und Aktivitäten über Ländergrenzen hin und her. Das drückt den zu versteuernden Gewinn.

Auch Ikea macht mit. Mit einer sehr komplexen Finanzstruktur gelingt es dem schwedischen Einrichtungshaus mit weltweiten Filialen seine Steuerschuld sehr stark in den Ländern zu drücken, in denen es seine Waren verkauft. Eingefädelt wird das Ganze aus Luxemburg, aber Geldströme fließen auch durch die Niederlande, Belgien, Zypern, Steueroasen in der Karibik, die Schweiz und Liechtenstein.

Die Praxis ist bekannt. Politiker wie der deutsche Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein französischer Amtskollege Michel Sapin sprechen sich dafür aus, der Steueroptimierung à la Luxemburg einen Riegel vorzuschieben.

Auch Pepsi soll mit einem weit verschachtelten Netz von Niederlassungen in Luxemburg, Irland, den Bermudas, Gibraltar und Zypern Steuern sparen. Der Softdrinkhersteller erklärte, sich an die Gesetze der Länder zu halten, in denen er tätig ist.

Olivier Peguy, euronews:
Anne Michel, Sie arbeiten für die Zeitung “Le Monde” und haben Unterlagen veröffentlicht, die zeigen, wie Luxemburg mit multinationalen Konzernen individuelle und geheime Steuerdeals abgeschlossen hat.
Sie haben sich den Fall des schwedischen Möbelherstellers Ikea angesehen. Was schätzen Sie, wie hoch ist die Steuerersparnis für das Unternehmen durch das Luxemburger Modell?

Anne Michel, Le Monde:
Es ist schwer zu schätzen, wieviel Geld Ikea und andere multinationale Konzerne gespart haben, weil die jeweiligen Steuerdeals mit Luxemburg nur ein Teil eines viel umfangreicheren Systems sind, das die Firmen aufgebaut haben.
Dennoch, einen Fall kann ich nennen. Dort wurde ein System entwickelt, beidem Ikea 5 Milliarden Euro Dividende ausgeschüttet hat und zwar an eine steuerbefreite Stiftung in Liechtenstein.
Das dürfte dem Unternehmen in etwa 730 Millionen Euro an Steuern eingespart haben.

Olivier Peguy, euronews:
Welches Modell wird von den Firmen denn besonders gerne angewandt? Können Sie das sagen?

Anne Michel, Le Monde:
Luxemburg ist ein regelrechter Baukasten aus unterschiedlichen Steuersparmodellen, Zum Beispiel die Holding-Gesellschaften, die ihre Gewinne völlig steuerfrei an ihre Eigentümer ausschütten dürfen.
Es gibt dort eine Reihe von Regeln, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Letztlich ist das Ziel all dieser Modelle, Geld nach Luxemburg zu locken und – aus Sicht der Unternehmen – sehr wenig oder keine Steuern zu zahlen.

Olivier Peguy, euronews:
Welche weithin bekannten Firmen nutzen denn dieses System?

Anne Michel, Le Monde:
Vor allem US-Konzerne, wie Apple, Amazon, Pepsi, Heinz, aber auch multinationale Konzerne aus Europa, beispielsweise Ikea.
Der Fall „Ikea“ ist auch deshalb besonders interessant, weil das Unternehmen eine Reihe von Steuersparmodellen hat, die nicht nur Luxemburg nutzen, sondern auch andere mehr oder weniger exotische Steuer-Oasen, wie Gibraltar und Zypern.”

Olivier Peguy, euronews:
Welche Länder bieten denn diese Steuersparmodelle an ?

Anne Michel, Le Monde:
Luxemburg ist nicht das einzige Land, sehr attraktive Modelle für multinationale Konzerne bietet. Mindestens drei andere europäische Länder bieten ähnliche Dinge an: die Niederlande, Irland und die Schweiz. Was wir sagen können ist, das Luxemburg gemeinsam mit den Niederlanden den größten Widerstand leistet wenn es um die Abschaffung dieser Steuersparmodelle geht, während auf der anderen Seite Irland und die Schweiz langsam Reformen einleiten.

ICIJ: Luxembourg Leaks