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Erbil ist letzter Zufluchtsort für verfolgte Christen im Irak

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Erbil ist letzter Zufluchtsort für verfolgte Christen im Irak

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Die Kurdenhauptstadt Erbil ist zum letzten Zufluchtsort für verfolgte Minderheiten im Irak geworden. Die Mar Eliya Kirche stellte ihren Garten für ein Flüchtlingslager zur Verfügung. Tausende von Christen sind seit Monaten auf der Flucht. Die vorrückenden IS-Extremisten hatten ab Juni weite Gebiete zwischen der nordirakischen Stadt Mossul und der Grenze zu Syrien erobert. Die IS-Miliz drohte jedem mit dem Tod, der nicht zum Islam übertreten wollte. Die Kirche in Erbil bietet Obdach, Kleidung und Nahrung. Die Menschen dort haben Angst vor Krankheiten und machen sich Sorgen um den kommenden Winter und ihre Zukunft.

“Es geht uns schlecht die ganze Zeit. Wir können nicht schlafen. Gestern regnete es. Es hörte sich an, als würden Steine aufs Zelt prasseln. Heute Morgen sagte mein Sohn zu mir, dass er nach Hause wolle. Er erzählte mir, dass wir heute nach Hause gehen. Ich fragte ihn, ob er davon geträumt hätte. Er schaute mich nur still an. Ich weiß nicht, vielleicht hat er geträumt, dass wir nach Hause zurückgehen”, so die geflüchtete Soham Yakoub.

Einige der Zelte beherbergen zwei Familien. Das Wetter ist kalt und regnerisch. Die Flüchtlinge haben das Gefühl, dass sie von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen werden. Seit 2003 flüchten vermehrt irakische Christen aus dem Land: Von ehemals 1,4 Millionen gibt es heute noch rund eine halbe Million Christen im Irak.

“Wenn es regnet, ist das Leben hier sehr hart. Wir leiden sehr darunter. Es gibt keine Waschmaschine. Uns ist nichts geblieben. Wir haben kein Geld. Wir bitten um Hilfe, um den Irak zu verlassen. Alle sitzen nur rum und beobachten uns aus der Ferne, ohne sich besonders darum zu kümmern, wie schlimm die Dinge für uns stehen. Sehen Sie, unsere Zelte sind undicht, und es ist Winter,” so das Mädchen Asrar Walid.

Fadia Salem ergänzte: “Wir haben unsere Häuser rund um Karagosch verlassen. Von dort sind alle geflohen. Wenn es internationalen Schutz für uns gegeben hätte, hätten wir unsere Heimat nicht verlassen müssen und müssten jetzt nicht in Zelten leben. Aber gibt es internationalen Schutz?”

Mossul war eine Hochburg der irakischen Christen. In der zweitgrößten Stadt im Irak gab es rund 30 Kirchen, darunter einige der ältesten der Welt. Die Flüchtlinge mussten alles zurücklassen. Ihnen ist nichts als das nackte Leben geblieben. Douglas Bazi, der chaldäische Erzdiakon von Erbil, sagt: “Wenn unsere Geschichte, unser Name und alles von uns ausgelöscht werden, ist das wirklich ein Genozid. Die Gruppen, die am meisten unter den Ereignissen in Mossul gelitten haben, sind unsere Brüder, die Jesiden und die Christen. Es überrascht mich nicht, wenn ISIL die Menschen dieser Religion tötet. Was für eine Art und Weise, mit Andersgläubigen und nichtgläubigen Menschen umzugehen!”

Insgesamt sind seit August rund 120.000 Christen, Jesiden und andere religiöse Minderheiten, darunter 18.000 Kinder, vor der IS-Miliz nach Erbil geflüchtet.

“Obwohl sie nicht an den politischen Konflikten beteiligt waren und friedlich und sicher in ihren Häusern lebten, enden sie jetzt als Flüchtlinge – in verschiedenen Ländern – in der schlimmsten ethnischen Säuberungsaktion und Vertreibung, die diese Region je erlebt hat,” fasst euronews-Korrespondent Mohammed Shaikhibrahim zusammen.