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Thessaloniki zeigt Filme für anspruchsvolle Kinogänger

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Thessaloniki zeigt Filme für anspruchsvolle Kinogänger

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Das internationale Filmfestival von Thessaloniki mit Wettbewerb, Retrospektiven und Sondervorführungen gilt das wichtigste seiner Art in Griechenland. Die diesjährige 55. Ausgabe präsentiert 150 Filme, 14 Beiträge sind im internationalen Wettbewerb im Rennen. Das Herz des Festivals schlägt nach wie vor für das unabhängige Autorenkino, bestätigt Festivaldirektor Dimitris Eipides.

“Mit den Filmen, die wir hier vorstellen, möchten über die aktuellen Trends der Kinobranche informieren. Und wir hoffen, dass das eine neue Filmemachergeneration inspirieren wird. Sämtliche Vorstellungen sind in diesem Jahr ausverkauft. Das ist aufregend und jedes Mal eine angenehme Überraschung. Es gibt einen gemeinsamen Nährboden, wir haben dieselbe Sichtweise, wie unser Publikum.”

Das Festival erweist in diesem Jahr dem US-Regisseur mit iranischen Wurzeln Ramin Bahrani die Ehre. Der Filmemacher ist bekannt für gesellschaftskritische Filme. Sein jüngster Streifen “99 Homes” thematisiert eine der dramatischen Folgen der Wirtschaftskrise, der Zwangsräumung von Häusern und Wohnungen.

euronews-Reporter Giorgos Mitropoulous fragte Bahrani, was es für ihn heute bedeute, ein Independent-Regisseur zu sein.

Ramin Bahrani: “Ich denke, es ist ganz grundsätzlich schwierig, unabhängig zu sein, nicht nur für einen Filmemacher. Denn die Welt schreibt Einem permanent vor, wie man sich zu verhalten, welche Ziele man anstreben sollte, vom Anfang bis zum Ende des Lebens. Das Leben sagt in einem Fort ‘nein’, ein unabhängiger Mensch sagt ‘ja’!”

Ebenfalls geehrt wird der serbische Filmemacher Želimir Žilnik. Seit Ende der 60er Jahre ist er als Regisseur von Kurz-, Dokumentar-, Spiel- und Fernsehfilmen aktiv und setzt sich in seinen Streifen intensiv mit den gesellschaftlichen und politischen Veränderungen auseinander.

Sein Werk umfasst über 50 Filme, zum Beispiel der Streifen “Tako se kalio čelik” – “The way steel was tempered” über einen Stahlarbeiter in der Lebenskrise von 1988.

Želimir Žilnik: “Für mich ist Filmemachen ein ständiger Lernprozess. Drehteam und Kamera sind gewissermaßen der Schlüssel, der viele Türen öffnet. Ich wüsste wahrscheinlich nicht viel über die Natur der Menschen und der Gesellschaft, wenn ich kein Filmemacher wäre.”

“Norway” by Yiannis Veslemes ist einer der beiden griechischen Beiträge im Internationalen Wettbewerb. Ein etwas anderer Vampirfilm mit schwarzem Humor über einen modernen Dracula, der sich im Nachtleben von Athen verliert.

Yiannis Veslemes: “Ich wollte auf gewisse Weise einen Vampirfilm schaffen, der sich vom Genre abhebt. Die Hauptfigur hat eigentlich sämtliche Eigenschaften eines ganz normalen Griechen. Mal von seinem etwas merkwürdigen Aussehen abgesehen. Er ist ein Vampir des Balkans.Ständig in Bewegung und aktiv. Mit den Vampiren der gotischen Gruseltradition hat er nichts gemein.”

Yorgos Mitropoulos, euronews: “Zehn Tage lang lebt Thessaloniki im Rhythmus des Festivals mit Filmen und Regisseuren aus der ganzen Welt. Trotz Budgetkürzungen und der Abwesenheit großer Stars sind die Filmvorführungen restlos ausverkauft. Denn die Menschen hier sehen gerne gutes Kino.”