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Berlin: Auf den Spuren von Karl Marx

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Berlin: Auf den Spuren von Karl Marx

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“Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.”

Nicht unumstritten. Auch 25 Jahre nach dem Mauerfall prangt Karl Marx’ elfte Feuerbach-These im Foyer des Hauptgebäudes der Humboldt Universität zu Berlin – auch wenn Marxismus und Leninismus hier heute nicht mehr gelehrt werden. Geblieben ist auch die Karl-Marx-Allee mit ihrer Karl-Marx-Statue. Die Gebäude wurden im sowjetischen Zuckerbäckerstil, dem sogenannten “sozialistischen Klassizismus”, erbaut. Hier fanden in DDR-Zeiten die Militärparaden statt. Erst 1961, im Jahr des Mauerbaus, wurde die Prachtstraße von Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannt. Wissen die Leute hier heute noch, wer Karl Marx war? – “Ich bin ja Ossi, Karl Marx kennt ja jeder”, sagt ein erster Passant. – “Die ganzen sozialistischen Systeme in Asien, die haben ihr System umgestellt, die glauben auch nicht mehr an die Dialektik”, wirft ein anderer Berliner ein. – “Allein schon ‘Das Kapital’, die Wahrheiten, die er da geschrieben hat, sind für meine Begriffe heute noch gültig. Wenn er sagt, ab einem Profit von 1000 % geht man über Leichen, wenn ich mir die Banken angucke!”, fügt eine Passantin hinzu.

Westberlin hat seine Karl-Marx-Straße sogar noch vor den Ostberlinern bekommen: Bereits 1947, vor der endgültigen deutsch-deutschen Teilung, wurde die zentrale Straße im Berliner Stadtteil Neukölln nach dem Philosophen benannt. Welches Bild haben die Menschen hier von Karl Marx? – “Antikapitalist, lange Haare, Arbeiterkampf”, fallen einem jungen Mann zu Marx ein. – “Gelesen hab ich das natürlich nicht, das wurde ja auch im Osten studiert, als Studienfach verwendet, dann kann’s ja nicht so einfach sein”, bemerkt ein älterer Herr.

Mit dem Fall der Mauer verschwand auch der Staat, der von sich behauptete, die Welt nach Marx’ Ideen verändert zu haben. Ob die Welt auch 25 Jahre später wieder Veränderung braucht, beschäftigt die Berliner – nicht nur die Philosophen, ist Euronews-Korrespondent Olaf Bruns überzeugt.