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Theater von heute und von morgen auf Theaterkonferenz in Aserbaidschan

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Theater von heute und von morgen auf Theaterkonferenz in Aserbaidschan

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Theaterschaffende aus über 40 Ländern trafen sich in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, um auf der Internationalen Theaterkonferenz über die Herausforderungen der Zukunft für die Bühnenkunst zu diskutieren. Schon lange konkurriert das Theater mit Kino und Fernsehen um die Zuschauer, doch in Zeiten des Internets wird der Kampf noch härter.

Einer der Redner ist der polnische Film-Oper- und Theaterregisseur Krzyszof Zanussi, der seine Karriere in Polen zur Zeit des Kommunismus begann, als das Theater sehr politisch war: “Der Raum für die reale Welt wird immer kleiner, wir werden immer abhängiger von der virtuellen Welt und die hat eine andere Auffassung von Zeit. Was im Hier und Jetzt geschieht, gibt es nur noch im Theater.”

Die Konferenzteilnehmer konnten auch einige aserbaidschanische Theaterproduktionen sehen. Zum Beispiel das Drama “Shah Gajar” von Azer Pasha Nematov, der das Publikum im Bakuer Staatstheater verzauberte.

Der russische Theaterregisseur Mikhail Safronov befürwortet auch das traditionelle Bühnentheater: “Die größte Herausforderung an das Theater ist es, eine gemeinsame Sprache mit dem Publikum zu finden. Wir streamen unsere Stücke zwar auch im Internet, aber wenn dir ein Schauspieler von der Bühne herunter in die Augen schaut, ist das durch nichts zu ersetzen.”

Natürlich standen auch die ewigen Fragen nach der Aufgabe des Theaters heute und des Multikulturalismus auf der Tagesordnung.

Für die Südafrikanerin Yvette Hardie, die im Bereich des Kinder-und Jugendtheaters arbeitet, sind multikulturelle Werte eine Notwendigkeit für ihre Theaterarbeit. “Es gibt einige beunruhigende Entwicklungen in der heutigen Welt. Das nationale Denken wird wieder wichtiger und es gibt viel Fremdenhass. Es ist also sehr wichtig, dass Kinder und Jugendliche an verschiedene Kulturen herangeführt werden. Sie müssen mit der Vielfalt an Erfahrungen in der Welt vertraut gemacht werden.”

Und wie steht es um das Theater in Aserbaidschan? Die Oper “Leyli and Macnun”, eine aserbaidschanische Version von Romeo und Julia ist ein Kassenschlager. Seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 muss das Theater, wie alle Arten von Kultur, offiziell einen politischen Beitrag leisten, um eine nationale Identität zu schaffen.

Untergrund- oder Offtheater gibt es hier kaum, erklärt der aserbaidschanische Theaterkritiker Aydin Talibzada: “Die unabhängige Theaterlandschaft kann sich nicht finanzieren. Die Menschen interessieren sich nicht dafür, somit kann das Off-Theater hier nicht überleben.”

Krzyszof Zanussi kritisiert ebenfalls die Situation des aserbaidschanischen Theaters: “Alles hier hängt vom Machtapparat ab. Der Staat vergibt die Gelder und subventioniert nur die Produktionen, die ihm gefallen. Das Theater muss mit der Politik des Staates übereinstimmen.”

Doch Theater ist mehr als reine Unterhaltung. Theaterschaffende kämpfen dafür, auch politisch unkorrekt zu sein. Sie wollen brennende soziale und politische Fragen behandeln. Neue Geschichten zu erfinden, ist eine große Herausforderung für Drehbuchschreiber, wie die Finnin Veera Marjamaa: “Wie sie wissen, wurde alles schon erzählt. Aber ich suche meine Geschichten in der Gesellschaft, für die ich schreibe. Ich spreche mit den Menschen und spinne ihre Geschichte weiter zur Fiktion. Ich versuche Themen zu finden, über die nicht gerne gesprochen wird.”

In Zeiten der Wirtschaftskrise sieht sich die Theaterszene auch immer öfter mit Budgetkürzungen konfrontiert. Genau deswegen braucht es solche Treffen, meint der deutsche Regisseur und Intendant Peter P. Pachl: “Deshalb ist dieser Kongress so schön, weil man sich hier gegenseitig Mut machen kann und miteinander die Idee eines Theaters hat, auch am Ende des 21sten und irgendwann im 22sten Jahrhundert.”

Die Internationale Theaterkonferenz in Baku- zwei Tage und fast 40 Reden rund ums Theater. Unser euronews- Korrospondent Wolfgang Spindler kommentiert: “ Ein Rede-Marathon ohne thematische Strukturen – auf dieser Konferenz redete jeder über das, was er im Theater so macht oder referierte über sein Theater Spezial-Thema. Alles hochinteressant, doch Gott sei Dank ist Theater lebhafter als Konferenzen über Theater.”

http://en.wikipedia.org/wiki/Leyli_and_Majnun_)

http://azertag.az/en/xeber/3rd_Baku_International_Theatre_Conference_kicks_off_in_Baku-808280