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Erbeben von Aquila: Haftstrafen gegen Experten aufgehoben

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Erbeben von Aquila: Haftstrafen gegen Experten aufgehoben

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Ein italienisches Berufungsgericht hat die Schuldsprüche gegen sechs Erdbebenexperten und einen Regierungsbeamten wegen fahrlässiger Tötung aufgehoben.

Weil sie die Bewohner der Stadt Aquila nicht vor der Gefahr eines bevorstehenden Erdbeben gewarnt hätten, waren die Mitarbeiter einer italienischen Katastrophenschutzbehörde im Jahr 2012 zu jeweils sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht befand die Vorwürfe nun für nicht haltbar.

Bei den Angehörigen der Opfer löste die Entscheidung Wut und Trauer aus. “Wahrheit und Recht haben hier verloren. Wir kennen die Wahrheit, wir Einwohner von Aquila. Durch dieses Urteil wird uns Gerechtigkeit vorenthalten. Es ist ekelhaft”, sagte eine Frau.

Nur der Regierungsbeamte geht nicht ganz straffrei aus: Seine Haftstrafe wurde auf zwei Jahre reduziert und zur Bewährung ausgesetzt. Die Begründung steht aus. Bei dem Gerichtsfall ging es auch um die mögliche Einflussnahme durch Politiker.

Die Verurteilung der Experten hatte 2012 international Proteste ausgelöst, unter anderem seitens der US-Geologiebehörde. Wissenschaftler kritisierten damals, das Urteil beruhe auf falschen Erwartungen an die Möglichkeiten von Erdbebenvorhersagen.

Bei dem Beben vom April 2009 wurde in Aquila tausende Gebäude zerstört, mehr als 1500 Menschen verletzt und 300 getötet. Die Stadt ist über die Jahrhunderte hinweg mehrfach von schweren Erdbeben heimgesucht worden.