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Erinnerungsring mit Freunden und früheren Feinden

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Erinnerungsring mit Freunden und früheren Feinden

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Er hat einen Umfang von 300 Meter, ist 3 Meter hoch und besteht aus 500 Stahlpanelen. Wie aufgeschlagene Bücher soll der eingeweihte Erinnerungsring bei Ablain-Saint-Nazaire aussehen. Dort eingraviert sind die Namen von fast 580.000 in der Region im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten – gleich welcher Herkunft oder Religion, Feind neben Kamerad.

Unter ihnen auch Marcel Garrigues. Der Franzose hat drei Kinder und ist 31 Jahre alt, als er an die stark umkämpfte Westfront kommt. Er fällt Ende 1915 und hinterlässt einen langen Briefwechsel mit seiner Frau, der Bände spricht.

Emma, eine französische Studentin, zitiert daraus: “Bisher habe ich es geschafft. Ich hoffe, ich bleibe bis zum Ende des Krieges am Leben,” schreibt Marcel Garrigues im Juni 1915. Doch das Ende, auf das er so sehr wartete, erlebte er nicht mehr.”

Nach dem Franzosen wird an das Leben eines britischen Soldaten erinnert: Wilfred Owen, einer der größten Dichter des Ersten Weltkriegs. Aus seinem Gedicht “Anthem for doomed youth” gibt die französisch-britische Studentin Alice die Zeilen wider: “Welche Totenglocken für jene, die wie Vieh sterben? Nur die monströse Wut der Waffen, nur das schnelle Geratter der stotternden Schusssalven kann ihre hastigen Totengebete begleiten.”

Dann erinnern die Gedenkfeierlichkeiten zum 11. November, Jahrestag des Ende des Ersten Weltkriegs, auch an den früheren Feind – einen Deutschen, Karl Schrag. Der Kölner Tom erklärt, “er starb zu Beginn der Offensive, als vor allem auf Artillerie gesetzt wurde. Wahrscheinlich starb er bei der Explosion einer Granate. Da wie so oft jegliche Spuren und Dokumente deutscher Soldaten fehlen, denn viele Archive wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, erlaubt nur die geduldige und wissbegierige Arbeit des Historikers eine Annäherung an das Schicksal Millionen anonymer Menschen.”

Das Gedenken an die zahlreichen Gefallenen nahm der französische Präsident François Hollande zum Anlass, vor möglichen Gefahren der Zukunft zu warnen: “Jedes Mal, wenn Nationalismus aufkommt, jedes Mal, wenn Hassideologien an die Oberfläche dringen, jedes Mal, wenn Separatismus geschürt wird, müssen wir uns an die tödliche Verkettung der Umstände im Sommer 1914 erinnern, und wohin dieser die Menschheit führte. Die Erinnerung ist nicht gemacht für die Vergangenheit, sie ist gemacht für die Gegenwart und die Zukunft.”

Die Einschätzung von euronews-Korrespondentin Laurence Alexandrowicz aus Notre-Dame-de-Lorette:
“François Hollande erinnerte in seiner Rede an das internationale Ausmaß dieses Konflikts. Im Erinnerungsring hinter mir sind die Namen von 580.000 Soldaten eingraviert. Unter ihnen 241.000 britische Soldaten, die den größten Tribut in dieser Gegend bei Artois bezahlten.”