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Währungskrieg in Asien - Eine Chance für den Nahen Osten?

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Währungskrieg in Asien - Eine Chance für den Nahen Osten?

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Stimulus durch quantitative Lockerung – das ist eine radikale Maßnahme in der Geldpolitik, um Wirtschaften anzuschieben, in denen es kein oder nur ein geringes Wachstum gibt. Aus Angst davor, dass ihre Bemühungen um Wachstum nichts bringen, hat die japanische Notenbank beschlossen, ihre Menge an Staatsanleihen um ein Viertel zu erhöhen und ihre direkten Investitionen in die Börse in Tokio zu verdreifachen.

Die Ankündigung hat die Aktienpreise in Tokio in die Höhe schießen lassen und ihnen in China einen Schub verliehen – auch wenn Wirtschaftswissenschaftler vor einem Währungskrieg warnen, vor allem in Asien. Viele Länder dort betreiben eine Politik, die ihre Währungen fallen lässt, damit Exportgüter billger werden und ihnen Handelsvorteile verschaffen. Japan ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Vor allem die Auto- und Elektronikindustrie sind wichtig für das Land.

In der Eurozone ist das Wachstum flau und die Deflation bedrohlich. Es geht nun darum, ob man dort den Weg der quantitativen Lockerung gehen wird – und wann. In der vergangenen Woche hat EZB-Präsident Mario Draghi lediglich gesagt, bei Bedarf würden die nötigen Maßnahmen getroffen. Das alles geschieht, nachdem die US-Notenbank Fed ihr Programm zur quantitativen Lockerung beendet hat. Sie beschloss, dass die US-Wirtschaft sich ausreichend erholt hat, so dass künstliche Stimuli nun nicht mehr nötig sind.

Über die Politik der quantitativen Lockerung und mögliche Folgen für den Nahen Osten hat Daleen Hassan für euronews mit Nour Eldeen Al-Hammoury, dem Chef-Marktstrategen von ADS Securities in Abu Dhabi, gesprochen.

Daleen Hassan, euronews: “Um diese Situation zu analysieren, ist uns jetzt Nour Eldeen Al-Hammoury zugeschaltet. Nour, wie die amerikanische Erfahrung zeigt, funktioniert die monetäre Lockerung anscheinend. Ist das so einfach?”

Nour Eldeen Al-Hammoury: “Natürlich ist das nicht so einfach. Grundsätzlich hat eine Politik des ‘billigen Geldes’ einige positive Auswirkungen auf manche Sektoren. Gleichzeitig hat es aber viel Gerede darüber gegeben, dass die Situation jetzt noch schlechter ist, als zuvor.

Die monetäre Lockerung hat die Anleihepreise erhöht, auch der Aktienmarkt hat profitiert. Sie hat aber nicht der Wirtschaft geholfen, der echten Wirtschaft. Wie wir ketzt in Japan sehen, kommt immer mehr Geld auf die Märkte. Das wird kurzfristig einen positiven Effekt haben, langfristig aber nicht, denn die Haushalte der Notenbanken steigen und erreichen Rekordstände. Es ist also unmöglich, diese Haushalte auszugleichen, ohne den globalen Markt und die Börsen zu schädigen.

euronews: “Wenn es einen Währungskrieg gibt und der japanische Yen weiter nachgibt, welche Folgen könnte das für Wirtschaften und Börsen weltweit – und besonders im Nahen Osten – haben?”

Nour Eldeen Al-Hammoury: “Erst einmal haben wir gesehen, dass die quantitative Lockerung der japanischen Notenbank die Aktienbeteiligungen weltweit aufgebläht hat. Der Nikkei 225 ist kurz nach deren Ankündigung um 10 Prozent gestiegen. Diese Situation, in der die Notenbanken versuchen ihre Währungen zu schwächen, ist für den Nahen Osten erst einmal etwas Positivies. Wie auch immer, die Folgen für den Nahen Osten werden von den Aktienmärkten begrenzt. Gleichzeitig profitieren aber die Importeure vom schwachen Yen, weil sie immer mehr aus Japan zu günstigeren Preisen importieren können.”