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FIFA-Bericht zu umstrittenen WMs ist umstritten

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FIFA-Bericht zu umstrittenen WMs ist umstritten

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Die Ethikkommission der FIFA hat unter Leitung des deutschen Juristen Hans-Joachim Eckert ihren Bericht zu den umstrittenen Fußball-WMs in Russland und Katar vorgelegt. Das Ergebnis der mehrjährigen Ermittlungen: Zwar wurde bei der Vergabe gegen zahlreiche moralische und juristische Regeln der FIFA verstoßen. Aber keiner dieser Verstößte sei so schlimm gewesen, dass Sanktionen fällig wären oder einem Land die WM gar entzogen werden müsste, hieß es. Weder in Russland noch in Katar wurde dem Bericht zufolge Fehlverhalten aufgedeckt, das nachweislich Einfluss auf die Vergabe hatte.

Die FIFA zeigte sich zufrieden mit dem Report. Nun sei der Fall “zu einem gewissen Grad abgeschlossen”, hieß es in einer Stellungnahme.
Ausdrücklich freigesprochen von jedem Verdacht der Bestechlichkeit oder irregulärer Einflussnahme wurde FIFA-Präsident Joseph Blatter. Eckert bescheinigt dem Schweizer sogar eine aktive Rolle im FIFA-Demokratisierungsprozess.

Der russische Sportminister Witali Mutko begrüßte das Urteil. Er sagte: “Ich wusste, dass es so sein würde. Unsere Bewerbungskampagne war absolut sauber.” Die Reaktion aus Katar war zurückhaltender, man werde den Bericht nun prüfen, hieß es.

Ärger gab es für die FIFA unter anderem aus den eigenen Reihen: Ihr Sonderermittler Michael Garcia, selbst Mitglied der Kommission, sagte: “Der heute veröffentlichte Bericht enthält zahlreiche unvollständige und fehlerhafte Darstellungen der Tatsachen und Schlussfolgerungen.” Er kündigte Berufung an.

Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk sieht bei der FIFA eine “Kommunikationskatastrophe”. Das sagte die Frankfurterin nach der Veröffentlichung des Berichts. “Die FIFA erhält keine Glaubwürdigkeit, wenn nur 42 Seiten von mehreren 100 veröffentlicht werden”, sagte Schenk, die bei Transparency International Deutschland die Arbeitsgruppe Sport leitet, am Donnerstag der dpa. Sie forderte erneut die vollständige Offenlegung des Berichts des Chefermittlers und früheren FBI-Direktor Michael Garcia.

Mehrfach hatte Garcia die Abgabe seiner Ergebnisse verschoben. 75 Interviews in zehn Ländern wurden geführt, 200 000 Seiten geschrieben. Das Resultat: Verfehlungen gab es vor der skandalumwitterten Doppelvergabe am 2. Dezember 2010 in Zürich sehr wohl. Besonders der ehemalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad & Tobago – 2011 im Zuge eines anderen Bestechungsskandals zurückgetreten – wurde von mehreren Kandidaten mit unmoralischen Angeboten kontaktiert, so offenbar auch aus England und Australien.

Ein direkter Zusammenhang mit den WM-Bewerbungen war aber nie zu beweisen oder die Versuche hatten nachweislich keinen Einfluss auf das Stimmverhalten. Japan, Südkorea und die USA versuchten sich offenbar mit Geschenken bei FIFA-Funktionären beliebt zu machen oder gegenseitige Absprachen mit anderen Kandidaten zu treffen. Einzig die Doppel-Bewerbung der Niederlande mit Belgien hatte sich gar nichts zuschulden kommen lassen, wird in dem Bericht konstatiert.

Auf Twitter häufen sich die kritischen Kommentare zu dem Bericht. Der ehemalige englische Nationalspieler Gary Lineker twitterte: “Wenn ich für den Fußball einen Wunsch frei hätte, wäre es, dass die FIFA aufgelöst und von einem transparenten Dachverband ersetzt würde, der den Sport an die erste Stelle rückt.”