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Türkei: Supermarktkampagne soll bei Suche nach vermissten Kindern helfen

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Türkei: Supermarktkampagne soll bei Suche nach vermissten Kindern helfen

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Diese türkischen Kinder haben eines gemeinsam: Sie werden vermisst, teilweise seit Jahren. Auf Initiative einer Hilfsorganisation hat eine Supermarktkette in Istanbul ihre Gesichter auf drei bis vier Millionen Tüten gedruckt. Außerdem finden sich dort Tipps, die Eltern helfen sollen, auf die Sicherheit ihrer Kinder zu achten. In den 1980er-Jahren gab es in den USA eine ähnliche Kampagne. Das Prinzip ist einfach, erklärt Cemal Ozen, Chef der Supermarktkette Onur: “Plastiktüten kommen in jedes Haus. Mit den Fotos der Kinder wollen wir zwei Dinge erreichen: Wir wollen Aufmerksamkeit bekommen und so verhindern, dass Kinder verschwinden, außerdem wollen wir die vermissten Kinder finden.“

Den türkischen Behörden zufolge wurden in den vergangenen fünf Jahren mehr als 14.000 Kinder als vermisst gemeldet. Mehr als 800 seien nicht wiedergefunden worden. Die Behörden gehen davon aus, dass viele Kinder von Kriminellen entführt worden. Die Täter hätten es auf die Organe der Kinder oder deren Arbeitskraft abgesehen, das schreiben die
"Deutsch-Türkischen Nachrichten" . Eventuell würden sie auch als Kindersoldaten eingesetzt.

Cevher und Hesna Kupsi vermissen ihren Sohn Bayram seit sieben Jahren. “Das ist eine gute Aktion”, meint Cevher Kupsi, “denn wenn pro Monat drei Millionen Plastikttüten gedruckt werden, sind das auch drei Millionen Fotos.” Seine Frau Hesna Kupsi sagt: “Wenn ich morgens aufwache, warte ich immer auf Bayram. Wenn es an der Tür klingelt, dann denke ich, ich höre seine Stimme. Das ist meine Hoffnung. Wenn ich irgendwo hingehe, glaube ich zum Beispiel, dass er auf der Straße auftaucht oder dass ich ihn im Supermarkt sehe. So denke ich die ganze Zeit.”

Mittlerweile gibt es eine Sondereinheit der Polizei, die nach den Kindern fahnden soll. Zafer Ozbilici, der auch hinter der Supermarktaktion steckt, wurde selbst aktiv: Er fährt mit seinem “Bus der Hoffnung” regelmäßig durch Istanbul. Immer in der Hoffnung, dass jemand eines der Kinder gesehen hat und sich meldet.