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Irans vergeblicher Kampf für geringere OPEC-Förderquoten

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Irans vergeblicher Kampf für geringere OPEC-Förderquoten

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Was waren das für stolze Krisenzeiten: Die OPEC, Lobby und Kartell der Erdölförderer, stand für mehr als die Hälfte des Weltbedarfes an Erdöl. Als sie ernst machte, stieg der Ölpreis in einem Jahr auf das Vierfache. Aber das ist gut 40 Jahre her. Kein Wunder, dass die Gründerstaaten den – für Abnehmer – schlechten alten Zeiten nachtrauern. Der Iran zum Beispiel. Inzwischen ist der Opec-Anteil an der weltweiten Erdölproduktion auf 40 Prozent gesunken.

Bijan Namdar-Zanganeh, Iranischer Ölminister:

“Die Frage des Marktanteils ist eines der wichtigsten historischen Anliegen der OPEC. In den vergangenen Jahren hat ihre Bedeutung auf dem Weltmarkt mehr und mehr abgenommen.”

Auf dem jüngsten kontroversen OPEC-Treffen war der Iran trotzdem auf der Verliererseite: Für Produktioneinschnitte, um den Preisverfall zu stoppen. Wenn das auch womöglich weitere Marktanteile und damit Macht und Einfluss gekostet hätte.

Am Widerstand Saudi-Arabiens war eine Einigung der Opec auf eine Drosselung der Fördermengen gescheitert, wie sie ärmere Mitglieder wie Venezuela und der Iran gefordert hatten. Damit sollte der Verfall des Ölpreises aufgehalten werden. Er war seit dem Sommer wegen Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage aus China und der Euro-Zone um rund ein Drittel zurückgegangen.

Bijan Namdar-Zanganeh:

“Sicher, wenn das Produktionsniveau unter eine bestimmte Marge sinkt, wird der Einfluss der OPEC marginal. Entscheidend ist, welchen Preis die OPEC für angemessen hält – er soll den Marktanteil absichern und gleichzeitig den Mitgliedstaaten genügend Einkommen bescheren, für ihre Staatshaushalte und fällige Förderinvestitionen.”

Ein Balanceakt, spätestens seit Amerika die Fracking-Offensive gestartet hat.

Und eine Zwickmühle für den größten Produzenten Saudi-Arabien. Es wolle Investitionen in die neuen Fördermethoden durch einen niedrigen Ölpreis abwürgen, sagen die einen. Es wolle an der Seite Amerikas Russland abwürgen, meinen andere.

Wie auch immer – am Ende schießt es sich ins Knie, so Irans Ölminister.

Bijan Namdar-Zanganeh:

“Natürlich ist die Rolle von Saudi-Arabien sehr wichtig, aber auch wenn wir uns auf weniger Fördermenge einigen würden – Saudi-Arabien hat am meisten zu verlieren.”

Verbraucher in den ölimportierenden westlichen Ländern können sich wohl weiter auf mehr Kaufkraft bei fallenden oder langfristig niedrigen Benzin- und Heizölpreisen einstellen.

„Selbst wenn die OPEC die Preise über geringere Förderquoten stützt,” so der niederländische Ölökonom Léon Cornelissen, (Robeco), “würden wirtschaftlich angeschlagene Schwellenländer wie Russland, Mexiko und Brasilien die mühsam eingesparten Mengen sofort wieder ausgleichen.”

su mit Reuters