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Gas geben mit Ethanol

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Gas geben mit Ethanol

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Urban Visions hat Rio de Janeiro besucht, das wie so viele andere große Städte auch vor der Herausforderung einer zunehmenden Verstädterung steht. Menschen von A nach B zu transportieren, kann da zum Problem werden.

Fakten zum Verkehr in Rio de Janeiro:

  • Aus Zuckerrohr hergestelltes Ethanol wird oft für Wagen verwendet, die mit unterschiedlichen Kraftstoffen abgetrieben werden können
  • Seilbahnen verbinden in Rio de Janeiro Favelas miteinander
  • Fast alles Taxis in Rio fahren mit Gas
  • Das öffentliche Nahverkehrsnetz, darunter Busse und U-Bahnen, wird ausgebaut
  • Je nach Verkehrslage kann auf manchen Hauptstraßen flexibel die Richtung gewechselt werden
  • Rio verfügt über ein wachsendes Netz von Radwegen (derzeit ca. 450 Kilometer)
  • Hauptstraßen in Strandnähe werden bei Bedarf für den Autoverkehr gesperrt und zu Fußgängerzonen umfunktioniert


euronews-Reporter Seamus Kearney berichtet: “Eines der neuesten und bequemsten Fortbewegungsmittel hier in Rio ist ein Netzwerk aus 150 Seilbahnen. Sie können täglich rund 30.000 Menschen über verschiedene Favelas hinweg transportieren. So wird die Fahrtzeit von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert.”

Die Einheimischen können die Seilbahnen einmal täglich kostenlos nutzen – und es gibt Pläne, das Netzwerk zu erweitern.

Doch noch bekannter ist Brasilien für seine Fahrzeuge, die mit Ethanol angetrieben werden. Der Kraftstoff wird aus Zuckerrohr hergestellt.

“Ethanol hat in Brasilien nach der Ölkrise in den siebziger Jahren sehr an Bedeutung gewonnen. Brasilien hat damals keine wesentlichen Mengen an Öl gefördert. Und die Preise waren sehr hoch”, erläutert Luiz Pinguelli Rosa, Physiker an der Bundesuniversität Rio de Janeiro.

Der Kraftstoff in Brasilien besteht zu einem Viertel aus Ethanol, Kleinwagen werden mit diesem Gemisch oder reinem Ethanol betankt.

Allerdings werden für die Zuckerrohr-Monokulturen große Flächen benötigt, der vermeintlich grüne Treibstoff kann somit zur Umweltbelastung werden.

“Der Bundesstaat Rio de Janeiro verbraucht fünf Prozent des in Brasilien hergestellten Ethanols, produziert aber nur 0,5 Prozent. Deshalb haben wir ein Programm in die Wege geleitet, um die Ethanol-Produktion zu erhöhen, so dass wir allmählich unseren Bedarf selber decken können”, sagt Maria Paula Martins, die im Bundesstaat Rio de Janeiro für Fragen der nachhaltigen Energie zuständig ist.

Niedrige Benzinpreise haben sich ebenfalls auf die Ethanol-Nachfrage ausgewirkt, Brasilien hat große Ölvorkommen entdeckt.

Luiz Pinguelli Rosa meint: “Brasilien sollte am Ethanol festhalten, dafür gibt es einen Grund: den Klimawandel. Die Verwendung von Ethanol schadet der Erdatmosphäre nicht so sehr wie Benzin.”

Manche Experten sind der Meinung, dass Biokraftstoff bis zum Jahr 2050 27 Prozent des weltweiten Kraftstoffbedarfs im Transportsektor ausmachen kann.

“Europa hat als Erstes Biokraftstoffe auf Abfall-Basis entwickelt und diese politisch gefördert. Ich hatte in meinem Betrieb in Deutschland kürzlich Besuch von einer brasilianischen Delegation, die entschlossen ist, das europäische System zu kopieren”, so der deutsche Unternehmer Michael Fiedler-Panajotopoulos.

Auf einem unberechenbaren Energiemarkt halten sich die Brasilianer also die eine oder andere Option offen.