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Moldawien: im Spannungsfeld zwischen Brüssel und Moskau

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Moldawien: im Spannungsfeld zwischen Brüssel und Moskau

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Am Sonntag standen Tausende Moldawier vor ihrer Botschaft in Moskau Schlange, um bei der Parlamentswahl abzustimmen. Daraus entwickelte sich eine pro-russische Demonstration, die einem möglichen EU-Beitritt eine Absage erteilte. Sofia war auch dabei, sie sagte: “Niemand hier hat was gegen die Europäische Union, aber meiner Meinung nach würde es uns schaden, es würde zu einem Krieg wie in der Ukraine kommen. Sowas können wir hier nicht gebrauchen.”

Ein Argument, das bei all jenen auf offene Ohren stößt, die zurück in den Schoß Moskaus wollen. Moldawien ist eine Ex-Sowjet-Republik mit 3,5 Millionen Einwohnern. 78% sind rumänischsprachig, hinzu kommt eine bedeutende russischsprachige Minderheit. Im Juli unterschrieb Moldawien einen weitreichenden Vertrag mit der EU über Handelserleichterungen – eben jenen Vertrag, den die Ukraine damals unter der Führung von Viktor Janukowitsch nicht unterschrieb. Die Antwort aus Moskau erfolgte umgehend – und erinnert in ihrer Schärfe an die russischen Sanktionen gegen die Ukraine vom Sommer 2013. In den vergangenen Monaten durften kein Obst, Fleisch oder Wein aus Moldawien nach Russland eingeführt werden – angebllich wegen Hygienemängel. Auf andere landwirtschaftlichen Erzeugnisse wurden Zölle verhängt.

Elena Gorelova arbeitet bei der Moldauer Behörde für Strategische Untersuchungen und Reformen. Sie beklagte, “die Wein-Industrie ist zuerst eingebrochen, jetzt leiden auch Nahrungsmittelunternehmen, sowie Gemüse- und Obstzulieferer. Sie alle machen Verluste, die mit der Zeit nur noch größer werden.”

Moldawien erklärte 1991 seine Unabhängigkeit von Moskau. 1994 stimmten die Moldawier per Referendum gegen einen Anschluss an Rumänien.1990 hatte sich die Region Transnistrien bereits einseitig von Moldawien losgelöst, was bis heute völkerrechtlich nicht anerkannt ist. Nur Moskau unterstützt eine Unabhängigkeit. Transnistrien ist hauptsächlich russischsprachig, bis zu 1400 russische Streitkräfte sind dort stationiert. 2006 stimmten die Einwohner für einen Anschluss an Moskau.