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Der Elvis von Afghanistan

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Der Elvis von Afghanistan

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Er wird auch der “Elvis von Afghanistan” genannt: Der afghanische Sänger und Songschreiber Farhad Darya ist aber auch ein preisgekrönter UN-Botschafter. Der in den USA lebende Künstler ist gerade auf Europatournee, um seine Friedensbotschaft zu verbreiten. Die Musik habe in seinem Land das gleiche Schicksal wie die Menschen erlitten: die brutale Unterdrückung des ehemaligen Taliban-Regimes, sagte er im Interview:

“Musik spielt eine wichtige Rolle im Leben der afghanischen Bevölkerung, sie ist eine beliebte Kunstform. Afghanen fühlen sich mehr und mehr von der Musik angezogen. Aber es gibt einige Leute, die nichts mit der afghanischen Kultur anfangen können, die die Musik unterdrücken wollen.”

Darya gehört seit den 1980er Jahren zu den einflussreichsten Künstlern der afghanischen Musikszene. Er ist davon überzeugt, dass Musik die Zukunft des vom Krieg zerrütteten Landes ist: “Die junge Generation kann sich einigen Dingen nicht entziehen, die sich in Afghanistan abspielen. Musik und Gesang können ihnen helfen. Die Kunst kann ihnen helfen, der Situation zu entfliehen und ich bin mir sicher, diese jungen Leute sind die Zukunft der afghanischen Musik.”

Darya lebt seit mehr als einem Jahrzehnt im Exil, zuerst in Deutschland, dann in den USA. Nach dem Fall der Taliban konnte er endlich wieder nach Afghanistan reisen. Im Rahmen des Projekts “Kochah” (Straße) arbeitet er seit 2001 mit Straßenkindern zusammen.

“Ich glaube nicht, dass die Erwachsenen den Wandel in Afghanistan voranbringen. Ihre Moral ist verletzt, und ihre Denkweise ist von gestern. Die Zukunft liegt in den Händen der Kinder. Ich will sie finanziell unterstützen und ihnen helfen, eine Ausbildung zu bekommen”, so Farhad Darya.

Ein anderes seiner Projekte ist die “Drops with Darya”-Kampagne. Angeregt durch Berichte über verblutete afghanische Soldaten, startete der Sänger eine Blutspendeaktion in Afghanistan für die Opfer des Bürgerkriegs.

“Ich habe Politiker und sogar den Präsidenten aufgefordert, sich an dieser Aktion zu beteiligen und Präsident Ghani machte mit. Auch die Minister spendeten Blut. Unser Ziel war, zu zeigen, wie wertvoll Leben ist und dass es wichtig ist, den Soldaten Tribut zu zollen,” so der Künstler.

Auf den Vorwurf, seinen Ruhm für den Start einer politischen Karriere zu nutzen, sagt er: “Was ich tue, ist politisch. Man kann nicht über Afghanistan sprechen, ohne über Politik zu reden. Es mag danach aussehen, als ob ich meine Berühmtheit nutze, um in die Politik zu kommen, aber das ist nicht mein Ziel.”

Der internationale Künstler mit Fans auf der ganzen Welt ist derzeit auf Europatournee. In Wien wurde er für seine Friedens- und Menschenrechtsaktivitäten ausgezeichnet.

Für seine Auftritte außerhalb von Afghanistan müssen seine Fans bezahlen. In seiner Heimat tritt Farhad Darya kostenlos auf. Denn seiner Meinung nach sollten Afghanen kein Geld für Konzertkarten ausgeben, wenn sie nicht einmal genug zum Essen haben.