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Transparency International: "Mehr Korruption in der Türkei und China"

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Transparency International: "Mehr Korruption in der Türkei und China"

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Auf den ersten Blick haben sie nichts gemeinsam. Und auf den zweiten ebenfalls: Kim Jong-un und Helle Thorning-Schmidt regieren zwei verschiedene Länder – Nordkorea ist “Transparency International” zufolge das korrupteste Land der Welt, Dänemark das Korruptionloseste.

Wie in jedem Jahr hat die Nichtregierungsorganisation in Berlin ihren neuen Bericht vorgestellt. Der sogenannte Korruptionswahrnehmungsindex befasst sich mit politischen Parteien, den Polizeibehörden, dem Justizsystem und dem Öffentlichen Dienst der bei dem Ranking beurteilten 175 Länder.

Am Ende der Liste stehen Nordkorea und Somalia. 13 internationale Institutionen haben Auskunft über diese Länder gegeben, darunter die Weltbank, die asiatischen und afrikanischen Entwicklungsbanken sowie das Weltwirtschaftforum haben mit ihren Informationen zu diesem Ranking beigetragen.

Im Vergleich zu 2013 verschlechterten sich die Punktwerte der Türkei, Angolas, Chinas, Malawis und Ruandas am stärksten. Deutschland erreicht den zwölften Rang der am wenigsten korrupten Länder. Im europäischen Vergleich belegen Dänemark, Finnland und Schweden die vordersten Plätze. International reiht sich außerdem Neuseeland in die Gruppe der Spitzenreiter ein.

Auf dem Vormarsch ist Korruption der Untersuchung zufolge vor allem in aufstrebenden Wirtschaftsnationen. Verschlechtert hat sich die Situation demnach nicht nur in der Türkei, sondern auch in der Gruppe der Schwellenländer. Brasilien, Russland, Indien und China zählen dazu. China fiel in der Bewertung um vier Punkte und rutschte damit gleich um 20 Plätze auf Rang 100 ab.

Die meisten europäischen Länder haben sich kaum verändert, anders Frankreich – es rutschte vom 22. auf den 26. Platz ab. Interessenkonflikte, die Parteienfinanzierung und zahlreiche Skandale haben das Land im vergangenen Jahr heimgesucht.

Der EU-Beitrittskandidat Türkei fiel vom 53. auf den 64. Platz. Dort war es vor allem der große Korruptionsskandal in der Regierung des ehemaligen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit zahlreichen Untersuchungen und Verhaftungen, der das Land abrutschen ließ und einen erheblichen Image-Schaden zurückgelassen hat.

Transparency International hat den jährlichen Korruptionswahrnehmungsindex vorgelegt. Vize-Präsidentin Elena Panfliova ist uns nun in Moskau zugeschaltet. Wer sind die wichtigsten Gewinner und Verlierer im laufenden Jahr?

Elena Panfilova:

“Hallo, natürlich gibt es keine absoluten Gewinner im Kampf gegen Korruption, weil es keine Länder gibt, die Bestechung komplett ausradieren können. Aber es gibt Nationen, die in unserer Liste schon fast traditionell vorne liegen und ihre Positionen quasi nur tauschen. Dazu gehören die skandinavischen Länder und Nationen wie Singapur, Neuseeland und Kanada. Diese kann man tatsächlich als führend im Kampf gegen Korruption bezeichnen.
Weiter unten im Ranking sind die Länder, in denen die allgemeine Situation neben der Korruption auch nicht gut ist, in denen das Gleichgewicht des Staates in Unordnung ist sowie das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft. So sind zum Beispiel Somalia und Sudan ganz unten auf der Liste.”

euronews:
“Welche Länder haben ihre Positionen am stärksten verändert?”

Panfilova:

“Die Türkei und China sind stark abgerutscht, Russland in etwa gleichgeblieben. Viele Anti-Korruptionsmaßnahmen verlaufen im Sande oder sind nur auf dem Papier abgebildet. Obwohl entsprechende Gesetze erlassen wurden. Es fehlt vielfach der unbedigte innere Wille und auch der politische Wille, all diese wundervollen Gesetze auch tatsächlich zu befolgen und nicht nur auf dem Papier.

euronews:

“Was können Sie über die Situation in der EU sagen? Wie ist da die Dynamik und gibt es einen Durchschnittswert für Korruption in Europa?”

Panfilova:
“Grundsätzlich ist die Lage nicht schlecht. Natürlich gibt es einen Block von Ländern – man könnte von den “alten Ländern” sprechen – die fst traditionell auf ähnlichen Listenplätzen landen. Manchmal verändern sich die Ergebnisse nur minimal nach unten oder nach oben. In den jüngeren EU-Ländern gibt es noch Rückstände im Kampf gegen Korruption. Einige gehen damit besser um, andere schlechter. Die Gründe dafür sind aber die gleichen: reale und stabile Anti-Korruptionsmaßnahmen benötigen für ihre Durchsetzung einen gewissen Zeitraum.”