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Den Mars im Blick, die schlanke Ariane vor Augen

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Den Mars im Blick, die schlanke Ariane vor Augen

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2014 war ein außergewöhnliches Raumfahrtjahr. Philaes Kometenlandung sorgte für Aufregung bei Raumfahrern und Erdlingen – nur ein All-Ereignis, das im Gedächtnis bleibt. Wie geht es weiter, was hat die europäische Raumfahrt in den kommenden Jahren vor? Neue Astronauten starten ins All, neue Missionen sind geplant, und Ariane wird einer Schlankheitskur unterzogen. Wohin geht die Reise? Space wirft einen Blick auf Zukünftiges.

“Die jüngsten Entscheidungen haben Einfluss auf das, was in den nächsten, zehn, zwanzig oder sogar fünfzig Jahren in der Raumfahrt passieren wird. Wir gucken uns an, was geplant ist”, sagt euronews-Reporter Jeremy Wilks.

Doch blicken wir zunächst noch einmal auf einige Ereignisse der vergangenen Monate. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst lieferte faszinierende Bilder von der Erde im Zeitraffer. Sie erlauben einen atemberaubenden Blick auf unseren Planeten und begeistern auch die Politiker.

Brigitte Zypries, parlamentarische Staatssekretärin beim deutschen Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Koordinatorin der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, meint: “Ich fand am besten, was Alexander Gerst gemacht hat, weil ich fand, dass er so sympathisch herübergebracht hat, was die Erde vom Weltraum aus betrachtet darstellt. Und ich glaube, er hat auch ganz viele junge Leute damit gepackt und auch ältere, die in ihrem Kopf jung geblieben sind und die fasziniert waren, von dem, was da zu sehen ist. Und ich glaube, das hat der Raumfahrt in Deutschland gut getan.”

Und alle erinnern sich noch an den Moment, als Philae im Rahmen der Rosetta-Mission zur Kometenlandung ansetzte.

“Wo soll ich anfangen…? Wir sind auf einem Kometen gelandet! Wer hätte das gedacht? Das ist ziemlich inspiriernd, wirklich ziemlich inspirierend”, schaut Alice Bunn von der britischen Raumfahrtagentur UKSA mit Begeisterung zurück.

Vertreter der 20 Mitgliedsstaaten der Europäischen Weltraumorganisation ESA sprachen im vorweihnachtlichen Luxemburg über Raketen, Missionen und finanzielle Mittel.

“Eines der Themen war, die unterschiedlichen Beiträge der Länder zu gewichten, insbesondere von Frankreich, Italien und Deutschland”, erläutert Stefania Giannini, italienische Bildungs- und Forschungsministerin.

Viele Verhandlungen fanden bereits vor den Gesprächen in Luxemburg statt. Es ging dabei natürlich auch um den ESA-Etat in Höhe von 3,3 Milliarden Euro. Im Großherzogtum wurden dann die letzten Einzelheiten geklärt.

Viele Gespräche drehten sich um Trägerraketen. Die Ariane 5 ist mittlerweile zu teuer und dürfte von der amerikanischen Space X verdrängt werden. Doch die ESA will mit einer neuen Rakete nachlegen. Für die Ariane 6 wurden Gelder in Höhe von drei Milliarden Euro bereitgestellt.

“Die erste richtig gute Nachricht für Europa ist, dass entschieden wurde, Ariane 6 auf den Weg zu bringen. Der erste Flug soll 2020 stattfinden: Eine neue wettbewerbsfähige Trägerrakete nach dem Baukastenprinzip, für deren Betrieb keine öffentlichen Gelder gebraucht werden”, erläutert Geneviève Fioraso, Staatssekretärin im französischen Ministerium für Bildung und Forschung.

Die Ariane 6, gewissermaßen eine (finanziell) schlanke und weiterentwickelte Ausgabe ihrer Vorgängerin, soll in zwei Varianten entwickelt werden – mit wahlweise zwei oder vier Antrieben. Jeder Start soll zwischen 70 und 115 Millionen Euro kosten – Ariane 5 verschlang noch 160 Millionen pro Start.

“Das gibt uns mehr Flexibilität und macht uns wettbewerbsfähig, denn wir Europäer wollen einen eigenen Zugang zum All behalten und sind da in Konkurrenz mit den USA, Chinesen, Russen, Indern. Da gibt es also ein großes Spektrum. Und wir wollen aber dabei sein und sagen: Wir bauen eine gute Trägerrakete, die Satelliten ins All bringt”, so Zypries.

Wohin geht also die Reise? Der Mars ist zweifellos ein Ziel. Das von Italien und Großbritannien geleitete ExoMars-Projekt soll den Roten Planeten weiter erforschen. Missionen sind für 2016 und 2018 vorgesehen. In Luxemburg wurden für diese Vorhaben von der ESA 160 Millionen Euro bewilligt.

“ExoMars ist deshalb einzigartig, weil gebohrt und nach Spuren früheren Lebens auf dem Mars gesucht werden soll. Das gab es vorher nicht. Jede Mission erkundet Neuland – und folgt damit Rosetta. Das ist das Spannende bei diesen wissenschaftlichen Missionen – man weiß nie, was man finden wird”, erläutert Alice Bunn.

“In gewisser Weise ist es die logische Fortsetzung von Philae. Wir finden es sehr interessant, herauszufinden, was sich unter der Mars-Oberfläche befindet. Denn die bisherigen Untersuchungen auf der Oberfläche haben keine Spuren von Leben auf dem Mars erkennen lassen. Die Höhenstrahlung und kosmische Strahlen haben im Laufe von Millionen Jahren jede Form von Leben zerstört. Aber es kann sein, dass in tieferen Schichten etwas übrig geblieben ist”, so Roberto Battiston von der italienischen Raumfahrtagentur ASI.

Was Menschen im Weltall betrifft, ist die Zukunft unklar. Die Internationale Raumstation wird voraussichtlich Ende der 2020er Jahre außer Betrieb gesetzt, sollte es keine zusätzliche Unterstützung geben. Noch ist die ISS allerdings nützlich.

Johann-Dietrich Wörner, Vorsitzender des Vorstandes des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), meint: “Für uns bietet die ISS die perfekte Infrastruktur, um die niedrige Erdumlaufbahn zu erforschen. Das brauchen wir für die Physiologie des Menschen, die Biologie, die Materialwissenschaft und auch, um die Erde zu beobachten sowie für Grundlagenforschung, etwa auf dem Gebiet der Antimaterie.”

Und auch Roboter spielen eine wichtige Rolle. Dort, wo Menschen nicht hinkommen, werden die Maschinen aktiv.

“Das, was mich am meisten beeindruckt, sind die Möglichkeiten der Roboter. Mit ihnen kommt man fast überall hin. Dank der Roboter kann man Dinge im Vergleich zu bemannten Erkundungen schneller, besser und kostengünstiger machen”, sagt Jean-Yves Le Gall von der französischen Raumfahrtagentur CNES.

An der Finanzierung wissenschaftlicher Vorhaben sind alle ESA-Mitgliedsländer beteiligt, aber die meisten Regierungen sind auch aus dem Grund dabei, weil es sich ebenfalls wirtschaftlich lohnt. Arbeitsplätze werden geschaffen, alltägliche Technologien wie Satellitenfernsehen oder Navigationssysteme werden vorangebracht. Doch nicht nur das:

“Das Weltall lässt uns nicht nur träumen, sondern liefert der Wissenschaft konkrete Ergebnisse, die für die künftige Entwicklung unserer Länder grundlegend sind”, sagt Stefania Giannini.

Geneviève Fioraso meint: “Das ist gut für die Wirtschaft, aber auch für das Zugehörigkeitsgefühl. Die Erdbewohner arbeiten zusammen, und ich finde, dass gemeinsame Projekte, die Solidarität und Brüderlichkeit schaffen, für wertvolle Debatten sorgen.”

Die Raumfahrt als Quelle von Solidarität und Brüderlichkeit also, faszinierende Bilder liefert sie ohnehin. Doch wie die europäische Raumfahrt finanziert und geregelt wird, hängt letztlich von nüchternen ökonomischen Überlegungen ab. Und so gibt es beide Seiten: Emotionen und knallharte Kalkulationen.