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Weltraumtechnik im Alltag

Welchen Nutzen hat die Weltraumforschung für unser tägliches Leben? Diese Frage stellte sich manch ein irdischer Zuschauer, als im vergangen November die Weltraumsonde Rosetta erfolgreich das Landegrät Philae auf dem Kometen Churyumov-Gerasimenko absetzte. Die Antwort lautet: eine ganze Menge. Mit der Übertragung von Weltraumtechnik befasst sich das Technologie-Transfer-Programm der ESA. Einige der für Philae entwickelten Instrumente kommen bereits konkreten Alltagsanwendungen zum Tragen. Zum Beispiel Ptolemy, das Massenspektrometer mit vorschaltbarem Gaschromatografen, das dank einer britischen Firma in der Medizin von Nutzen ist.

Frank Salzgeber, Head of Technology Transfer Programme Office, ESA: “2011 entwickelte Oxford Micro Medical einen Ableger, basierend auf derselben Technologie, ein Messgerät, das Bakterien aufspürt, die im Magen Verletzungen und Infektionen verursachen, die zu Krebs führen können.”

Dasselbe System wurde ebenfalls erfolgreich als Diagnoseinstrument für Tuberkulose in der südlichen Sahara eingesetzt. Die Spürnase kann noch viel mehr:

Frank Salzgeber, Head of Technology Transfer Programme Office, ESA: “Auch eine andere interessante Technologie, die im Lebensmittelsektor eingesetzt wird, basiert auf dem Massenspektrometer. Eine Spin-off-Firma namens Insect, die von unserem Business Incubation Center unterstützt wird, hat diese Technologie benutzt, um den chemischen Fingerabdruck von Käfern zu erkennen. Um sich zum Beispiel im Hotelzimmer, in der Lebensmittelproduktion oder -lagerung unliebsame Mitbewohner vom Leib zu halten.”

Diese Wechselwirkung zwischen Weltraumtechnik und Industrie ist von Beginn an Teil der ESA-Programme, damit sich die enormen Investitionen auch auf das ganz normale Leben der Menschen auswirken.

Frank Salzgeber, Head of Technology Transfer Programme Office, ESA: “Viele Forschungsorganisationen werden von uns geschult und dazu angehalten, von Anfang an eine doppelte Nutzung von Weltraumtechnik in Betracht zu ziehen. Besonders, wenn das Projekt eine Lebensdauer von zehn Jahren hat, muss es schnell Spin-offs geben. Und genau das ist bei Rosetta geschehen.

Der Technologietransfer soll die europäische Industrie stärken und neue Marktmöglichkeiten für die Hersteller von Luft- und Raumfahrttechnik eröffnen.
Zum Beispiel das französische Unternehmen Cedrat Technologies in Grenoble, das an der Entwicklung des hochauflösenden Rastersondenmikroskops MIDAS an Bord von Philae beteiligt war. Die Technologie kommt heute in der Medizin zum Einsatz bei Herzoperationen.

François Barillot, Cedrat Technologies: “Wir liefern ein Stabilisierungsinstrument. Wenn eine Operation am offenen Herzen erfolgt, zittert das Organ im geöffneten Brustkorb. Deswegen wird in der Regel das Herz angehalten, was ziemlich gefährlich ist. Das Instrument kontrolliert die Vibrationen des Herzens und reduziert sie, damit der Chirurg besser arbeiten kann, während das Herz weiter schlägt.”

Dasselbe Konzept kommt in einem völlig anderen Sektor, im Skisport zum Einsatz. Auch hier wirken die sogenannten Piezoaktoren, damit die Skier bei hohen Geschwindigkeiten nicht zittern.

François Barillot, Cedrat Technologies: “Wir haben diese Technologie übertragen, um die Vibrationen von Skiern, in diesem Fall beim Geschwindigkeitsfahren, zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass sie so wenig wie möglich zittern.”

Seit dem Beginn der Raumfahrt haben diverse Materialien, Geräte und Technologien in irdische Produkte Eingang gefunden. Das Technologie-Transfer-Programm sorgt dafür, dass das weiterhin geschieht – und der Nutzen der Weltraumprogramme für den Bürger sichtbar wird.

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