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Wirtschaftsrückblick 2014: EZB und Fed - Zwei unterschiedliche Wege

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Wirtschaftsrückblick 2014: EZB und Fed - Zwei unterschiedliche Wege

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Erstmals seit der Krise im Jahr 2008 haben die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed verschiedene Wege eingeschlagen. EZB-Präsident Mario Draghi und Fed-Chefin Janet Yellen haben sich für unterschiedliche Geldpolitiken entschieden, weil sich auch die Volkswirtschaften auf beiden Seiten des Atlantiks unterschiedlich entwickeln; positiv für die Amerikaner, negativ für die Europäer in der Eurozone. Draghi: “Sollte es im Fall einer weiterhin niedrigen Inflation nötig sein, wird der Rat der EZB einstimmig dazu bereit sein, weitere unkonventionelle Maßnahmen innerhalb seines Mandats anzuwenden.” In dieser Erklärung nach der Sitzung des EZB-Rates im September kündigte Draghi eine Senkung der Leitzinsen auf historische 0,05 Prozent an. Er kündigte langfristige Maßnahmen und den Rückkauf forderungsbesicherter Wertpapiere an, um Kredite zu stimulieren.

Yellen hat es anders gemacht: “Es gibt noch etwas zu tun. Zu viele Amerikaner sind weiterhin arbeitslos, die Inflation bleibt unter unseren längerfristigen Zielen und die Arbeit daran, unser Finanzsystem robuster zu machen, ist noch nicht beendet.” Vor dem US-Kongress sagte Yellen, es sei eine der Prioritäten der Fed, die Leitzinsen nahe bei Null zu belassen, bevor man eine Quantitative Lockerung der Geldpolitik akzeptiere.

Diese beiden geldpolitischen Ansätze entsprechen den unterschiedlichen Wachstumsraten: Die USA hatten einen schwierigen Jahresbeginn, bevor sie zu einem quartalsweisen Wachstum von 4 Prozent fanden. Die Eurozone hingegen stagnierte im Schnitt bei Null. Lediglich Großbritannien legte um gut einen Punkt zu.

Das fehlende Wachstum und das neue Risiko einer Rezession treffen nun das Herz der Eurozone – und die deutsch-französische Achse. Deutschland, der Motor der Einheitswährung, entkommt nur knapp
einem Geschäftsrückgang, auch die Exportrate ist nicht mehr so hoch wie zuvor. In Frankreich schaftt es die Regierung nicht, das Wachstum anzuschieben und die Arbeitslosigleit in den Griff zu bekommen. Mit den liberalen Reformen zeigen sich weder Gewerkschaften, noch Arbeitgeberverbände zufrieden.

Dimitris Rapidis ist Wirtschaftswissenschaftler: “Es kann keine Verbesserung des Investitionsklimas geben, wenn die Steuern hoch bleiben und die Sparpolitik fortgesetzt wird. Es gibt keinen Plan, der aus der Krise führt, selbst im Herzen der Eurozone nicht. Am Ende könnten die Maßnahmen von Draghi durchaus ins Leere laufen”, sagt der Grieche.

Während des ganzen Jahres geht der Geist der Deflation in der Eurozone um. Am Ende steigt die Inflation auf lediglich 0,3 Prozent. Deutschland und Frankreich erleben, wie die Verbraucherpreise schrumpfen. Italien und Portugal schwanken zwischen Positiv und Negativ, Spanien und Griechenland fallen und bedrohen das angestrebte Wachstum in der Eurozone. In Japan sind die Preise 15 Jahre lang gefallen. Es fehlte sowohl an Konsum als auch an Investitionen.

Diese Schwierigkeit, zum Wachstum zurückzukehren, führte vor allem in den südlichen Ländern der Eurozone zu flexibleren Arbeitsmärkten und sinkenden Löhnen. Bei der Bevölkerung löste das Wut aus. In Italien kam es zu einem Generalstreik gegen die neue Regierung. In Griechenland folgte dem Unmut der Beamten der der Schüler und Studenten, die für sich keine Zukunft mehr sahen.

Korruption auf hoher Ebene, wie etwa bei der portugiesischen Bank Spirito Sancto und ihren Langzeitbesitzern, führte zu einem Vetrauensverlust in die Finanz- und Wirtschaftsinstitutionen. Angesichts dieser schwarzen Aussichten spielt die EZB unter Mario Draghi um ihr Leben. Sie kann, wenn sie will, die Geldmaschine anwerfen. Oder sie kann es auch bleiben lassen.