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Chiwa: faszinierendes Tor zur Wüste

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Chiwa: faszinierendes Tor zur Wüste

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Chiwa war früher ein Zentrum des Sklavenhandels. Eine furchterregende Stadt, die als Synonym für mühsame Reisen durch die Wüste stand. Heute ist sie eine freundliche Museumsstadt, deren Bewohner den Charme alter Traditionen wieder aufleben lassen.

Die Altstadt Itchan-Kala versprüht die Atmosphäre der Wüste. Zahlreiche ockerfarbene Ziegelmauern säumen diesen Teil von Chiwa, der südlich des Amudarja liegt. Chiwa war einmal eine Oase, die letzte Versorgungsstation der Karawanen, bevor sie durch die Wüste bis in den heutigen Iran zogen.

Die alten Traditionen werden heute noch von den hier ansässigen Familien praktiziert. Unter anderem wird auch noch das Brot-Rezept aus der Zeit des Zoroastrismus gebacken. Zaynab Abdullaeva erklärt: “Die Tradition des Brotbackens wird von Generation zu Generation weitergegeben. Wir zeigen unseren Mädchen, wie man Brot bäckt, weil es unsere einheimische Tradition ist. Meine Mutter brachte mir das bei und meine Großmutter wiederum meiner Mutter.”

In Chiwa verwendet man einen Ofen unter freiem Himmel. Einige von ihnen stehen auf den Hauptplätzen der Innenstadt. Der Historiker Khudayberganov Kamiljan unterstreicht: “Brot ist für das usbekische Volk unglaublich wichtig. In dem zoroastrischen Buch Avesta heißt es, dass Brot heilig ist und es dich stark und gesund macht. In unserer Tradition ist es ein Hauptgericht.”

Die Verbindung zwischen Brot und dem Zoroastrismus ist auch durch die eingravierten Muster zu erkennen. Kamiljan führt er weiter aus: “Die Muster, die Sie auf dem Brot sehen können, symbolisieren die Sonne, die zu zoroastrischen Zeiten verehrt wurde. Sie stand für Frieden, guten Willen und Glück. Sie finden die gleichen Muster auf religiösen Gebäuden.”

Der zoroastrische Einfluss ist auf den Gebäuden in Chiwa überall sichtbar. Sogar Moscheen und Madresen zeigen Symbole verschiedener Religionen – denn die Seidenstraße war ein Knotenpunkt für Traditionen, Religionen, Philosophien. Der Historiker Kamiljan unterstreicht: “Es gab immer eine starke Verbindung zwischen den Bewohnern der Wüste und den Menschen in Chiwa. Es wurde intensiver Handel betrieben. Nomaden brachten Milch, Fleisch und andere Waren mit. Die Einwohner Chiwas tauschten diese gegen Brot und andere Dinge, die in der Wüste nicht hergestellt werden konnten.”

Zwei Stunden von Chiwa entfernt liegt die Steppe der Provinz Xoraz – sie gilt als die Wiege einer der größten Zivilisationen in Zentralasien. Die Ruinen
vieler choresmischen Städte und Paläste wurden hier gefunden, einer der spektakulärsten Schätze ist die Festung Ayaz Kale. Die Anlage besteht aus drei Gebäuden. Ein weiteres Highlight ist die Festung Toprak Qala. Wir besuchten diese mit einem der ersten Archäologen der Ausgrabungen.

Vadim Yagodin: “Die Suche zog sich über viele Jahre. Die Erforschung begann bereits vor dem Zweiten Weltkrieg, 1938, 1939 und wurde auch nach dem Krieg fortgeführt. Laut derzeitigem wissenschaftlichen Stand waren diese riesigen Ruinen während des 3. Jahrhunderts ein Wohnsitz der choresmischen Zaren.”

Heute kann man 20 ummauerte Festungen noch besuchen – der Ort ist bekannt als “Region der 50 Festungen” – aber das ist nur eine Schätzung, es könnte noch mehr geben.

Euronews-Reporterin Monica Pinna erklärt: “Wir haben die Geheimnisse von Samarkand enthüllt, die Märkte von Buchara entdeckt und Ihnen von den Traditionen Chiwas erzählt. Unser Abenteuer entlang der alten Seidenstraße endet nun in der Kysylkum-Wüste. Alle Reportagen unserer Serie “Uzbekistan Life” finden Sie auch auf unserer Website.”