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Griechenland: Anstehen für ein Weihnachtsessen

Die Wirtschaftskrise verdirbt vielen Griechen das Weihnachtsfest. Ehrenamtliche versuchen zu helfen.

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Griechenland: Anstehen für ein Weihnachtsessen

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Die Wirtschaftskrise überschattet in Griechenland das Weihnachtsfest. Viele Einwohner Athens können sich nicht einmal das Nötigste leisten: “Die Situation wird jedes Jahr schlimmer”, sagt George Moraitakis von der Gemeinde der Stadt Athen. Waren es im vergangenen Jahr noch 600 Menschen, die in der provisorischen Verpflegungsstätte für ein Weihnachtsessen anstanden, sind es dieses Jahr nach Angaben der Gemeinde bereits 800.

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"Die Entscheidungen aller Regierungen haben uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind."

Diese Menschen, oft mittellos oder sogar obdachlos, erwartet in einer Turnhalle ein kleines Festtagsmenü: Truthahn, Kartoffeln und zum Nachtisch traditionelle griechische Süßigkeiten. Die ehrenamtlichen Helfer haben sogar einen Weihnachtsbaum dekoriert.

“Die Entscheidungen aller Regierungen haben uns dahin gebracht, wo wir jetzt sind”, sagt ein 63-jähriger Mann, der obdachlos ist. “Sechs Jahre lang habe ich eine Invalidenrente bekommen, aber jetzt haben sie die Rente gekürzt. Dadurch bin ich völlig verarmt.”

Den Griechen fehlt das Geld, um die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. 1.500 Essen verteilt die Gemeinde Athen täglich in ihren Suppenküchen. Lebensmittelhändler berichten von einem schlechten Weihnachtsgeschäft, und das, obwohl die Inflationsrate seit zwei Jahren negativ ist. Trotzdem haben viele Griechen offenbar nicht mehr Geld übrig, der Sparkurs der Regierung und die anhaltende Krise scheinen stärker zu sein.

Die desolate Lage könnte auch für die Regierung von Antonis Samaras gefährlich werden: Wenn die Wahl des griechischen Präsidenten auch beim dritten Anlauf scheitert, drohen im Februar Neuwahlen. Dann könnte die linke Oppositionspartei Syriza an Stimmen zulegen und den von der EU verordneten Sparkurs kippen.