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Wenig Hoffnung für Flüchtlingskinder im Nordirak

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Wenig Hoffnung für Flüchtlingskinder im Nordirak

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Ein Flüchtlingslager in Erbil im Nordirak: In den vergangenen vier Jahren sind mehr als 200.000 Menschen aus Syrien hierher geflohen. Dazu kamen in den vergangenen Monaten noch mehr als zwei Millionen Iraker auf der Flucht vor den IS-Milizen.

Meinung

"Was für uns ein Notfall oder eine Krise ist, ist für sie Alltag. Das Extreme ist für sie normal."

Etwa die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Angesichts dieser Zahlen nennt das UN-Kinderhilfswerk UNICEF 2014 ein „verheerendes Jahr“. Mehrere Millionen Kinder hätten in ihrem Leben vor allem Krieg und Gewalt kennengelernt, so UNICEF.
Dadurch sei vielen von ihnen jedes Gefühl für Normalität verloren gegangen.

“Was für uns ein Notfall oder eine Krise ist, ist für sie Alltag”, sagt Jeffrey Bates von UNICEF. “Das Extreme ist für sie normal. Was wir versuchen ist, ein Stück friedlichen Alltag wieder zurückzubringen. Ein Camp wird das zwar niemals leisten können, aber es hilft schon, wenn diese Kinder hier die Möglichkeit bekommen, zu spielen, mit ihrer Familie Zeit zu verbringen, und auf diese Art eine Chance auf ein normales Älterwerden haben.”

Unter den Flüchtlingen sind auch viele Jesiden. Sie stellen sich auf eine besonders lange Zeit im Camp ein. „Es gibt keine Zukunft für unsere Kinder, genausowenig wie für uns. Die IS-Milizen kontrollieren immer noch sehr viele unserer Gebiete. Unser Schicksal ist sehr unsicher”, sagt ein Familienvater, der seine Heimat auf der Flucht vor den IS-Milizen verlassen musste.

Eine Zukunft, die eine Ausbildung der Kinder ermöglicht, scheint erst recht ausgeschlossen. Eine Schule, die in unmittelbarer Nachbarschaft zum Camp liegt, ist den Kindern aus Erbil vorbehalten. Die Kinder der Jesiden können dort nicht hingehen. Außerdem sprechen die Lehrer Englisch und Kurdisch, die Flüchtlingskinder verstehen aber oft nur Arabisch.

In dem Camp leben aktuell etwa 4.000 Grundschulkinder. Dazu kommen einige tausend Jugendliche, die bereits auf höhere Schulen gehen müssten. Ohne Unterricht fehlt ihrem Tag Struktur. Viele Kinder klagen über Langeweile. Die Angebote der Flüchtlingshelfer sind kein gleichwertiger Ersatz für sie.

Ein kleines Zeichen der Hoffnung ist die Eröffnung einer Schule mit Container-Gebäuden Mitte Dezember in der Nähe des Flüchtlingslagers.
Bezahlt und aufgebaut wurde sie von einer katholischen Kircheniniative.
Bis Ende Januar sollen noch acht weitere Schulen dieser Art in Erbil aufgebaut werden.

Watch all the interview with Jeffrey Bates, Chief of Communications for UNICEF Iraq